Kategorie: Museen und Galerien

  • Wassersüchtig – Das Selterswasser-Museum in Niederselters

    Wassersüchtig – Das Selterswasser-Museum in Niederselters

    Erstbesuch und Veröffentlichung 2020/ aktualisiert März 2026

    Jahrhundertealte Geschichte im Taunus

    Sekt oder Selters? In Niederselters stellt sich diese Frage nicht. Hier ist man dem natürlich prickelnden Quellwasser so eng verbunden, dass man ihm ein eigenes Museum gewidmet hat – und wo sollte es stehen, wenn nicht direkt am Standort des wohl bekanntesten Mineralbrunnens Deutschlands, wenn nicht gar Europas?

    Die Quelle in Niederselters ist seit 1536 urkundlich belegt. Der Ort selbst lässt sich jedoch bereits im Jahr 772 unter dem Namen „Saltrissa“ nachweisen. Von diesen frühen Ursprüngen ist auf dem heutigen Quellgelände zwar nichts mehr erhalten, doch das restaurierte Brunnenhaus von 1909 zeugt eindrucksvoll von der einstigen Bedeutung des Ortes. Im Inneren sind noch zahlreiche Jugendstilelemente zu bewundern, etwa das große Fenster in der ehemaligen Abfüllhalle.

    Neuausrichtung nach dem wirtschaftlichen Aus

    1999 wurde die Produktion eingestellt, und die Stadt übernahm das inzwischen stark sanierungsbedürftige Gebäude. Mit viel Engagement und Unterstützung durch Fördermittel konnte es 2011 wiedereröffnet werden. Heute beherbergt der Komplex nicht nur eine kleine, aber eindrucksvolle Museumssammlung, sondern auch einen Kindergarten sowie zwei Veranstaltungsräume.

    Das Museum dokumentiert die Zeit der großen wirtschaftlichen Blüte. Immerhin gab das originale Selterswasser einer ganzen Produktkategorie seinen Namen. Schon früh versuchten andere Hersteller, vom guten Ruf zu profitieren, und vermarkteten ihre Produkte ebenfalls als „Selterswasser“. Diese Nachahmungen waren jedoch meist künstlich mit Kohlensäure versetzt – im Gegensatz zum Original, dessen Kohlensäure natürlichen Ursprungs ist. Wer den Unterschied schmecken möchte, hat auch heute noch Gelegenheit dazu: In einer Seitenhalle können die Bewohner von Niederselters und den umliegenden Gemeinden gegen eine kleine Gebühr regelmäßig ihren „Haustrunk“ abholen. Dieses Recht besteht seit Jahrhunderten – und war immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen. Aktuell ist der Haustrunk seit 2024 ausgesetzt, da es technische Probleme gibt, die eine neue Herrichtung erforderlich machen. Eine zeitnahe Wiedereröffnung ist geplant.

    Ein Bürgermeister mit Vision

    Dass der heute restaurierte und erweiterte Gebäudekomplex wieder vielfältig nutzbar ist, verdankt Niederselters maßgeblich dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Norbert Zabel, der sich bis heute mit großem Engagement für das Projekt einsetzt. Ich hatte das Glück, an einer ebenso kurzweiligen wie informativen Führung mit ihm teilnehmen zu dürfen.

    Kaum zu glauben, wie berauschend Mineralwasser sein kann.

    Zu sehen gibt es unter anderem eine beeindruckende Sammlung von Wasserflaschen aus aller Welt sowie historische Original-Selters-Flaschen. Zu den bekannten Persönlichkeiten, die das Wasser aus Niederselters tranken, zählen etwa Remigius Fresenius, Christoph Wilhelm Hufeland und Johann Wolfgang von Goethe.

    Zwischen historischen Flaschen aus aller Welt und originalen Selters-Krügen erzählt er von Zeiten, in denen das Wasser aus Niederselters in ganz Europa getrunken wurde. Namen wie Remigius Fresenius, Christoph Wilhelm Hufeland und sogar Johann Wolfgang von Goethe tauchen auf. Sie alle tranken dieses Wasser. Auch zur Orts- und Quellen­geschichte erfährt man Spannendes – von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Plötzlich wirkt das Glas auf dem Tisch ein bisschen ehrfürchtiger.

    Zum Abschied schenkte mir Dr. Zabel ein Buch zur Geschichte des Seltersbrunnens, welches er gemeinsam mit Eugen Caspary und Willi Hamm verfasst hat. Für einen Bücherliebhaber wie mich ist bereits die hochwertige Gestaltung ein Genuss: hochwertiges Papier, sorgfältig aufbereitete Grafiken und zahlreiche historische Abbildungen. Doch auch inhaltlich überzeugt das Werk – es erzählt die wechselvolle Geschichte des Ortes fundiert und zugleich lebendig, ohne je trocken zu wirken. Danke für dieses wunderbare Geschenk.

    Tipps

    Wer auf der A3 von Frankfurt in Richtung Köln unterwegs ist, findet bei Bad Camberg ein braunes Hinweisschild zum Selterswassermuseum.

    Regelmäßig geöffnet ist das Museum aktuell nicht. Es besteht aber die Möglichkeit individueller Führungen ab 10 Teilnehmern zum Preis von 5,00€/Person. Informationen dazu gibt es hier .

    Sammlung diverser Wasserflaschen aus aller Welt
  • Ein Haus, wie ein englischer Landschaftspark…nur moderner

    Ein Haus, wie ein englischer Landschaftspark…nur moderner

    Das Museum Reinhard Ernst

    Besucht am 24.05.2025

    Wer in Wiesbaden an der Kreuzung Rheinstrasse/ Wilhelmstrasse/ Friedrich-Ebert-Allee steht kann hier einen schönen Überblick über Baugeschichte sehen. Da sind zum einen die Jugendstilhäuser mit ihren wunderschönen Steinelementen und Bildern. Da ist das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur mit seinen Säulengängen, der Kuppel und der markanten Freitreppe. Im Innern unter anderem mit einer beeindruckenden Jugendstilsammlung, aber auch Alten Meistern und modernen Werken (s. Artikel „Kunst und Kuchen“ von Dezember 2019). Dann steht dem gegenüber das Rhein Main CongressCenter (RMCC), welches 2018 anstelle der alten Kongresshallen eröffnet wurde und mit seiner Fassade aus hohen Fenstern, gelben Sandstein und der beeindruckenden Treppe auffällt. Und da ist der „Zuckerwürfel“.

    Offene Räume

    Das Museum Reinhard Ernst wurde 2024 mit einem Jahr Verspätung geöffnet und ist ein Werk des Japanischen Architekten Fumihiko Maki, der leider kurz vor der Eröffnung verstarb. Der Industrielle Reinhard Ernst und seine Frau haben dieses Museum der Stadt Wiesbaden geschenkt und präsentieren darin Werke ihrer gut 960 Teile Umfassenden Privatsammlung moderner Kunst. Dafür wurde eigens eine Stiftung gegründet. Die Sammlung ist an den Vormittagen ausschließlich Schulen und Bildungseinrichtungen vorbehalten und Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Ziel ist es, Kunst allen zugänglich zu machen, weshalb das Foyer auch öffentlich ist. Auch hier befinden sich schon Kunstwerke.

    Weisse Schlichtheit

    Der Bau selbst besticht durch seine scheinbare Schlichtheit. Bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich aber als sehr ausgeklügelt und erstaunt immer wieder beim Durchwandern mit neuen Blickwinkeln und unterschiedlichsten Räumen. So ergeben sich immer neue Sichtweisen auf die ausgestellten Kunstwerke. Ähnlich wie in einem englischen Landschaftsgarten, wo sich mit jedem Positionswechsel eine neue Sichtachse auftut, kann man hier beim Durchschreiten des Gebäudes immer neue Perspektiven erleben. Dazu tragen auch die sehr unterschiedlichen einzelnen Ausstellungsräume bei. So findet man zum Beispiel im 1. Stock einen Raum, der eine komplette Glaswand zum Treppenhaus hat (wobei Treppenhaus hier nicht der richtige Begriff ist, denn das ganze Haus ist offen gestaltet und daher gibt es an dieser Stelle gar kein Treppenhaus im klassischen Sinne). Dadurch hat es die leichte Anmutung eines Aquariums. Zum Zeitpunkt meines Besuchs befanden sich in diesem Raum konsequenterweise Bilder zum Thema „Moby Dick“.

    Die Ausstellungen wechseln regelmäßig. So wird man im Laufe der Zeit die komplette Sammlung zu sehen bekommen. Sicher ist moderne Kunst nicht jedermanns Sache. Ich kann mich auch mit vielem nicht anfreunden. Aber ich bin neugierig und entdecke gerne. Ich kann nur empfehlen einfach mal völlig erwartungslos in eine solche Sammlung zu gehen. Betreten Sie einen Raum und lassen ihn auf sich wirken. Sie werden merken, irgendein Stück zieht Sie an, irritiert vielleicht, macht neugierig. Zu diesem gehen Sie hin und lassen Ihrer Fantasie freien Lauf. Was sehen Sie? Eine Landschaft? Personen? Pferde im Galopp? Eine menschliche Gestalt? Was lösen die Farben in Ihnen aus? Freude? Angst? Unwohlsein? Sehnsucht?… Ganz egal. Meiner Meinung nach kann man nie falsch liegen. Kunst soll die Sinne und die Gefühle ansprechen. Sicher kann man sich die Frage stellen, was einem der Künstler damit sagen wollte. Aber man muss es nicht. Ganz zum Schluss können Sie sich den Titel des Werkes anschauen. Vielleicht ist dieser für Sie vollkommen logisch, weil Sie genau das entdeckt haben. Vielleicht ist aber auch der Titel völlig abstrakt. Eigentlich spielt es keine Rolle. Sie haben Kunst „erfühlt“ und darum geht es. Sie haben sich auf etwas Neues eingelassen. Probieren Sie es einmal aus. Sie werden überrascht sein. Und dann treten Sie wieder hinaus auf die Wilhelmstrasse mit ihren schönen alten Häusern und den Bäumen rechts und links und entdecken die Realität neu.