Kategorie: Museen und Galerien

  • Zu Besuch in Entenhausen – Das Erika-Fuchs-Haus

    Zu Besuch in Entenhausen – Das Erika-Fuchs-Haus

    Besucht am 09.08.2026

    Wart Ihr schon mal in Entenhausen? Nein? Dann wird es Zeit.

    In Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof habt Ihr dazu die Gelegenheit. Dort steht nämlich das Erika-Fuchs-Haus, in dem sich Deutschlands erstes Comicmuseum befindet. Das Museum gibt es seit dem 1. August 2015, und 2026 wurde es mit dem „Kulturpreis Deutsche Sprache“ ausgezeichnet. Doch warum ausgerechnet in Schwarzenbach und wer war Erika Fuchs?

    Eine Frau mit Vorbildcharakter

    Erika Fuchs wurde als Johanne Theodolinde Erika Petri 1906 in Rostock geboren. Während ihres kunstgeschichtlichen Studiums lernte sie in München den Ingenieur Günter Fuchs aus Schwarzenbach an der Saale kennen und heiratete ihn 1932. Ende der 1940er-Jahre bemühte sich Erika um Übersetzungsaufträge und konnte für den Rowohlt-Verlag und Reader’s Digest einige Artikel und Kurzgeschichten übersetzen. 1951 fragte man sie, ob sie für den neu gegründeten EHAPA-Verlag Chefredakteurin der neuen Comic-Zeitschrift „Micky Maus“ werden wolle. Nach kurzem Überlegen nahm sie das Angebot an und schuf damit über Jahrzehnte etwas Besonderes. Ihre Übersetzungen waren nicht wörtlich. Sie nahm die Geschichten und Bilder und passte sie an – und zwar mit Anspruch. In ihren Sprechblasen finden sich jede Menge Zitate und Anspielungen auf die deutsche Literatur. Goethe, Schiller, Lessing… die Worte all dieser Literaturgrößen wurden Donald und Co. von ihr in den Schnabel gelegt.

    Etwa 20 Jahre lang übersetzte sie alle in der „Micky Maus“ erscheinenden Geschichten. Ab den 1970er-Jahren beschränkte sie sich auf die in Entenhausen spielenden Geschichten und später nur noch auf jene, in denen Donald die Hauptfigur war. Man kann also sagen, sie war Donalds deutsche Ziehmutter. Durch ihre Arbeit wandelte sich der Blick auf Comics. Waren sie in den 1950er-Jahren noch als Schund abgestempelt worden, betrachtete man sie in den 1960er-Jahren im Zuge der aufkommenden Popkultur bereits differenzierter. Heute sind sich Sprachwissenschaftler weitestgehend einig, dass ihr Werk die deutsche Sprache deutlich beeinflusst hat. So bezeichnet man ihr zu Ehren die von ihr verwendete Inflektivform zur visuellen Darstellung von nichtvisuellen Vorgängen als „Erikativ“.

    Nach dem Tod ihres Mannes zog Erika nach München zu ihren Kindern. Dort verstarb sie 2005 im Alter von 98 Jahren. Begraben wurde sie an der Seite Günters in Schwarzenbach. 2006 brachte die D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) am Wohnhaus in Schwarzenbach eine Gedenktafel an.

    Das Erika-Fuchs-Haus mit den Vorplatzskulpturen

    Der Besuch

    Das Museum befindet sich nicht im ehemaligen Wohnhaus in der Marienstraße, sondern in der nahegelegenen Bahnhofstraße. Vor dem Haus kann man gut parken, und der Bahnhof ist auch nur wenige Meter entfernt. Man kann das Museum gar nicht verfehlen, denn vor dem Haus stehen bereits einige Skulpturen, die durch ihren Comic-Charakter eindeutig den Weg weisen. Auf der Webseite des Museums kann man einiges über diese Freiluft-Ausstellung lesen. Die Exponate wechseln alle paar Jahre. Die aktuellen Skulpturen stammen von Luise Mirdita und wurden 2025 aufgestellt.

    Im hellen Inneren des Museums fällt einem zuerst der Museumsshop auf, der einem gut sortierten Comicladen gleicht (welch Wunder!). Die Dame an der Kasse ist sehr freundlich und hilfsbereit (was ich am Schluss noch einmal merkte, als ich ein paar Sachen erwarb und Rat brauchte). Es gibt ausreichend Schließfächer, einige sogar mit Steckdose, damit man sein Handy zwischendurch aufladen kann. Allerdings sind sie auch etwas klein. Meine Handtasche passte genau rein, eine Jacke hätte keinen Platz mehr gehabt.

    Wenn man die Treppe zur Dauerausstellung hinaufgeht, beginnt diese mit einem kleinen Film. Was ich besonders gut finde, ist, dass die Tür sich automatisch öffnet, kurz bevor der Film anfängt, und sich danach wieder schließt. So verpasst man den Anfang nicht und kann den ganzen Film in Ruhe schauen. Und das sollte man auch. Auf drei sich ergänzenden Leinwänden wird die Entstehungs- und Kulturgeschichte der Comics erzählt. Auch erhält man eine kurze Einführung in Aufbau, Struktur und Elemente von Comics. Ein sehr guter Start.

    Erster Blick auf Entenhausen. Links das Haus von Donald Duck

    Interaktiv und amüsant

    Am Ende des Films öffnet sich gegenüber der Eingangstür ein Vorhang und plötzlich steht man in Entenhausen! Vor einem tut sich ein kleiner Nachbau dieser Comicstadt auf. Gleich zur Linken befindet sich Donalds Haus, schräg daneben das von Daniel Düsentrieb. Und beide kann man betreten. Genau wie Oma Ducks Bauernhof (Kinder können sogar reinkriechen) – und überall gibt es kleine Hinweisschilder, die die Erwachsenen lesen können. Hier erfährt man Biografisches über die Figuren und Entenhausen. An einem Baum befindet sich der Stammbaum der Duck’schen Familie. Und ganz groß befindet sich in der Mitte des Raumes Dagoberts Geldspeicher. Auch den kann man betreten, und im Innern befindet sich ein „Bällebad“, in dem aber Taler statt Bälle liegen. Man kann dort selber einmal in Talern schwimmen und es Onkel Dagobert gleichtun (Fotografieren ist übrigens ausdrücklich erlaubt).

    Bad in Dagoberts Geldspeicher

    Touri spielen in Entenhausen

    Ein Selfie vor der Stadtansicht von Entenhausen und dem Münster ist natürlich Pflicht. Im hinteren Bereich befindet sich auch ein interaktiver Tisch mit einem Plan von Entenhausen und Umgebung. Hier kann man verschiedene Punkte anklicken und so einen Überblick bekommen, wo sich welche Sehenswürdigkeit genau befindet. Was für eine klasse Idee, aus allen Angaben in den Comics einen richtigen Stadtplan zu machen! Entenhausen wird dadurch ein Stück realer.

    Vorbei am Hafen und dem Entenhausener Umland verlässt man diesen hellen, bunten und freundlichen Raum und betritt einen wesentlich sachlicheren und etwas dunkleren. Hier wird (natürlich als Comic) die Lebensgeschichte von Erika Fuchs erzählt. Diese Darstellung kann man auch als Mappe im bereits erwähnten Shop erwerben.

    Vom Umgang mit Sprache

    Weiter geht es in den nächsten Raum. Hier ist alles schwarz-weiß, denn es geht um die Sprache und den Aufbau von Comics. Der Besucher erfährt, wie sich Sprech- und Denkblasen unterscheiden, was Soundwords (Zong, Boing, Kracks usw.) sind und was es sonst noch braucht. Hier gibt es auch einen Wortgenerator, mit dem man herrliche Neukreationen zusammenschieben kann. Es gibt eine Wand, an der man Donald verschiedene Gesichtsausdrücke zusammenbauen kann, und zwei kleine interaktive Kammern, in denen man sein Comic-Übersetzungstalent prüfen kann. Außerdem befinden sich hier einige Exponate aus dem Besitz von Erika Fuchs, wie originale Übersetzungsdokumente, ihr Notizbuch und ihre Schreibmaschine.

    Den Bereich der Dauerausstellung beendet ein Raum, in dem Branchenkollegen eine Hommage an Erika Fuchs gestaltet haben. Karikaturisten und Cartoonisten haben sich Gedanken um ihr Leben gemacht und man findet hier unter anderem einen Comic über einen fiktiven Ehestreit im Hause Fuchs. Ausschließlich mit Soundwords.

    Hier schließt sich dann die Bibliothek an. Neben Vitrinen mit Micky-Maus-Devotionalien finden sich raumhohe Regale mit Comics, Graphic Novels und Büchern zum Thema. Hier könnte man sehr gemütliche Stunden verbringen. Ich lese meine Lustigen Taschenbücher aber lieber zu Hause auf dem heimischen Sofa.

    Im unteren Bereich gibt es noch eine Fläche für Sonderausstellungen. Zum Zeitpunkt meines Besuchs waren es zwei: eine zum Gehirn (schön kindgerecht) und eine über Superhelden wie Superman, Batman, Wonder Woman und Co. (eher was für Erwachsene).

    Mein Fazit: Ich hatte Spaß. Die kleine, aber feine Ausstellung ist liebevoll gemacht und wird gepflegt. Die Exponate befinden sich in einem sehr guten Zustand, was bei interaktiven Ausstellungen nicht immer der Fall ist. Mit mir waren nur wenige Menschen da und die waren fast alle erwachsen. Der Besuch als Familie ist aber (aus meiner Sicht) unbedingt zu empfehlen.


    Tipps:

    • Auf der Webseite des Erika-Fuchs-Hauses findet man alle nötigen Informationen zu Anfahrt, Eintritt und den Ausstellungen sehr übersichtlich dargestellt.
    • Informationen zu Erika Fuchs und ihrem Leben findet man bei Wikipedia.
    • Wer sich mehr mit Donald und Co. beschäftigen möchte, dem sei die Webseite von D.O.N.A.L.D. empfohlen.
    • In einer guten Stunde ist man durch. Man sollte aber noch etwas Zeit für den Shop einplanen und sehr resistent gegen seine Verlockungen sein.

    Eindrücke

  • Von Staufern und Schneekugeln – Das Historische Museum in Frankfurt am Main

    Von Staufern und Schneekugeln – Das Historische Museum in Frankfurt am Main

    Frankfurt hat viele schöne Museen. Und da ich stolze Besitzerin einer Museumsufercard bin, besuche ich diese auch nach und nach. Manche sogar mehrfach, da man die Fülle der Exponate bei einem einzigen Besuch meistens gar nicht erfassen kann. Hinzu kommen spezielle Sonderausstellungen, die einzelne Themen genauer präsentieren.

    Eines dieser Museen ist das Historische Museum. Als ich 2016 ins Rhein-Main-Gebiet zog, war der Museumsneubau gerade DAS Thema. Ein Jahr später wurde er schließlich eröffnet. Trotzdem hat es noch eine Weile gedauert, bis ich endlich meinen Besuch dort in Angriff genommen habe. Und es gibt dort so viel zu sehen: Gute 800 Jahre Stadtgeschichte werden gezeigt – das muss man erst einmal verarbeiten. Oder halt mehrmals hingehen.

    Zur Geschichte des Museums

    Das Historische Museum wurde 1877/78 aufgrund einer bürgerschaftlichen Initiative gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Exponate an andere Museen verkauft und wechselten die Besitzer. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Gebäudes zerstört, und auch extra evakuierte Sammlungsstücke gingen verloren. Nach und nach wurden die zerstörten Gebäudeteile wie der Saalhof wieder aufgebaut und genutzt. In den 1970er-Jahren entstand ein Erweiterungsbau im damals typischen Brutalismus-Stil. Er war von Anfang an umstritten, und 2007 entschied man sich dafür, den Sichtbetonbau abzureißen und einen neuen Komplex zu errichten. Dieser wurde 2017 eröffnet und passt sich mit seiner Mainsandsteinfassade viel besser in das Bild der neuen Altstadt ein.

    Die Gebäude stehen in der Frankfurter Altstadt direkt zwischen dem Römer und dem Mainufer. Man kann sie also gar nicht verfehlen.

    Das von mir sehr geliebte Caricatura Museum gehörte früher auch zum Historischen Museum. Seit dem 1. April 2019 ist es eigenständig – was damals keineswegs ein Aprilscherz war. Zu den Ausstellungen dieses Museums der unerhörten Kunst (dem 2025 der Nachlass des unvergleichlichen Loriot vermacht wurde) werde ich auch noch einen eigenen Artikel widmen.

    Viele Besucher und trotzdem Platz

    Wie immer bin ich gleich zur morgendlichen Öffnung hingegangen. Und ich hatte nicht allein diese Idee. Lange warten musste ich aber trotzdem nicht. Das Personal ist eingespielt und freundlich, und die Ausstellungsfläche ist so groß, dass sich die Besucher schnell verteilen. Allein für die Dauerausstellung stehen rund 8.000 Quadratmeter zur Verfügung. Bei einem ersten Besuch sollte man sich entscheiden, ob man sich auf einen Teil beschränken möchte oder sich einfach mal einen Überblick verschafft. Da ich eher zu Letzterem neige und später lieber gezielt nochmal wiederkomme, habe ich mich einfach treiben lassen und Neues erforscht.

    Eines der ersten Exponate, die man erblickt, ist die Frankfurter Schneekugel. Sie zeigt auf Knopfdruck verschiedene Stadtansichten. Leider war sie gerade defekt. Trotzdem konnte man einen Blick ins Innere werfen und staunte, wie viel Platz der Unterbau einnimmt. Bei meinem nächsten Besuch wird sie hoffentlich auch mal von mir ausprobiert.

    Beim Treibenlassen durch das Gebäude fallen mir viele interessante Ausstellungsstücke auf. Da steht z. B. ein wunderschön bemaltes Klobecken. Blaue Blumen zieren nicht nur den Sockel, sondern auch das Innere der Schüssel. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass dieses Klo aus Oxford kommt, und ich frage mich, welcher Weg und welche Geschichte dahinterstecken. Mit grünen Blumen würde ich das Teil sogar in meinem eigenen Bad stehen haben wollen.

    Auch eine echte Frankfurter Küche aus dem Jahr 1927 findet sich hier – bis heute das Vorbild für eine praktische und platzsparende Küchenplanung. Viele der Ideen in dieser Küche sind heute noch genauso brauchbar, und das Design ist mittlerweile wieder voll im Trend. Da ich gerne einrichte, hätte ich große Lust, mir eine solche Küche nachzubauen. Vielleicht wird das irgendwann mal der Fall sein.

    So viele Sachen….

    Ich entdecke Bilder aus Frankfurter Salons und Alltagsgegenstände wie Pfeifen und Krüge. Dazwischen Spielzeug und Münzen. Auch ein goldenes Eine-Mark-Stück ist dabei. Dann stehe ich vor einer bunten Wand. Diese besteht aus vielen einzelnen Fächern, und in diesen Fächern befinden sich hinter einer Glasscheibe viele, viele Gegenstände: Bierdeckel, Trillerpfeifen, Tonbecher, Glasflaschen, Bücher, Brauchbares und Unbrauchbares, Schönes und Hässliches … ein ganzes Sammelsurium an Dingen, die an die Kramschublade erinnern, die doch jeder zu Hause hat.

    Das völlige Gegenteil – nämlich ein Beispiel für Ordnung und Klarheit – ist das originale Arbeitszimmer des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki. Auch das ist im Historischen Museum ausgestellt. Marcel Reich-Ranicki war in meinem Blog schon mal Thema, als ich den Frankfurter Hauptfriedhof besucht habe und an seinem Grab stand.

    Mein persönliches Lieblingsexponat

    Das für mich beeindruckendste Exponat befindet sich unterm Dach: Ein Modell der Stadt Frankfurt. Das klingt zuerst unspektakulär, ist es aber ganz und gar nicht. Es füllt einen ganzen Raum, und man kann zwischen den beiden Teilen rechts und links des Mains hindurchgehen. Die Brücken, die in der Realität den Main überspannen, befinden sich in luftiger Höhe über dem Betrachter. Und bei genauem Hinschauen fällt auf: Alle Gebäude sind aus Alltagsgegenständen gefertigt. Häuser aus Plastikschalen, Türme aus Radiergummis, Brücken aus Kleiderbügeln, Krankenhaustürme aus Spritzen usw. Es gibt so viel zu entdecken! Und dabei ist alles so genau gearbeitet, dass man jedes Gebäude genau erkennt. Mit jedem näheren Blick entdeckt man Neues. Einfach nur genial. Ich habe sogar das Inhalationsteil meines eigenen Asthmasprays entdeckt.

    Von ganz oben zog es mich dann nach ganz unten. Im Keller des Museums befinden sich noch einige Reste alter Gebäude aus der Stauferzeit. Man kann rund 800 Jahre alte Brunnen und Mauerreste bestaunen. Und es gibt sogar noch Teile eines alten Hafens aus dieser Zeit. Hier sind nicht nur steinerne Überreste vorhanden, sondern auch hölzerne. Der Erhaltungszustand ist deshalb so gut, weil bereits im 14. Jahrhundert bei einer Stadterweiterung dieser Hafen zugeschüttet wurde. Wiederentdeckt wurde das alles 2012 bei Bauarbeiten für das neue Museumsgebäude.

    Das Geheimnis der Zahlen

    Ja, und dann sind da noch die Garderobenschränke. Als ich anfangs meine Jacke in ein Schließfach getan hatte, fiel es mir erst gar nicht auf, aber beim Abholen meiner Sachen wurde ich stutzig: Die Zahlen an den Schließfächern machen auf den ersten Blick keinen Sinn. Bei genauerer Betrachtung aber schon: Sie sind nicht einfach mit 1-2-3-4-usw. beschriftet. Die Zahlen darauf sind Jahreszahlen! Auf der Innenseite der Türen kann man dann lesen, was in jenem Jahr in Frankfurt so passiert ist. Clever gemacht, kann ich da nur sagen. Die Idee gefällt mir gut.

    Alles in allem war der Besuch für mich sehr spannend und lehrreich. Ich habe bei Weitem nicht alles erfassen können und muss demnächst nochmal hin. In diesem Museum lohnt sich das richtig. Und mit der Architektur und den Sonderausstellungen habe ich mich noch gar nicht richtig beschäftigt. Es bleibt also noch viel zu entdecken.


    Tipps

    Für das Museum sollte man sich Zeit nehmen. Es gibt so viel zu sehen, dass man eventuell an zwei verschiedenen Tagen kommen sollte.

    Praktische Informationen wie Öffnungszeiten und die Anreise findet man auf der Webseite des Historischen Museums

    Auch der Wikipedia-Artikel ist sehr hilfreich, wenn man mehr wissen möchte.


  • Wassersüchtig – Das Selterswasser-Museum in Niederselters

    Wassersüchtig – Das Selterswasser-Museum in Niederselters

    Erstbesuch und Veröffentlichung 2020/ aktualisiert März 2026

    Jahrhundertealte Geschichte im Taunus

    Sekt oder Selters? In Niederselters stellt sich diese Frage nicht. Hier ist man dem natürlich prickelnden Quellwasser so eng verbunden, dass man ihm ein eigenes Museum gewidmet hat – und wo sollte es stehen, wenn nicht direkt am Standort des wohl bekanntesten Mineralbrunnens Deutschlands, wenn nicht gar Europas?

    Die Quelle in Niederselters ist seit 1536 urkundlich belegt. Der Ort selbst lässt sich jedoch bereits im Jahr 772 unter dem Namen „Saltrissa“ nachweisen. Von diesen frühen Ursprüngen ist auf dem heutigen Quellgelände zwar nichts mehr erhalten, doch das restaurierte Brunnenhaus von 1909 zeugt eindrucksvoll von der einstigen Bedeutung des Ortes. Im Inneren sind noch zahlreiche Jugendstilelemente zu bewundern, etwa das große Fenster in der ehemaligen Abfüllhalle.

    Neuausrichtung nach dem wirtschaftlichen Aus

    1999 wurde die Produktion eingestellt, und die Stadt übernahm das inzwischen stark sanierungsbedürftige Gebäude. Mit viel Engagement und Unterstützung durch Fördermittel konnte es 2011 wiedereröffnet werden. Heute beherbergt der Komplex nicht nur eine kleine, aber eindrucksvolle Museumssammlung, sondern auch einen Kindergarten sowie zwei Veranstaltungsräume.

    Das Museum dokumentiert die Zeit der großen wirtschaftlichen Blüte. Immerhin gab das originale Selterswasser einer ganzen Produktkategorie seinen Namen. Schon früh versuchten andere Hersteller, vom guten Ruf zu profitieren, und vermarkteten ihre Produkte ebenfalls als „Selterswasser“. Diese Nachahmungen waren jedoch meist künstlich mit Kohlensäure versetzt – im Gegensatz zum Original, dessen Kohlensäure natürlichen Ursprungs ist. Wer den Unterschied schmecken möchte, hat auch heute noch Gelegenheit dazu: In einer Seitenhalle können die Bewohner von Niederselters und den umliegenden Gemeinden gegen eine kleine Gebühr regelmäßig ihren „Haustrunk“ abholen. Dieses Recht besteht seit Jahrhunderten – und war immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen. Aktuell ist der Haustrunk seit 2024 ausgesetzt, da es technische Probleme gibt, die eine neue Herrichtung erforderlich machen. Eine zeitnahe Wiedereröffnung ist geplant.

    Ein Bürgermeister mit Vision

    Dass der heute restaurierte und erweiterte Gebäudekomplex wieder vielfältig nutzbar ist, verdankt Niederselters maßgeblich dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Norbert Zabel, der sich bis heute mit großem Engagement für das Projekt einsetzt. Ich hatte das Glück, an einer ebenso kurzweiligen wie informativen Führung mit ihm teilnehmen zu dürfen.

    Kaum zu glauben, wie berauschend Mineralwasser sein kann.

    Zu sehen gibt es unter anderem eine beeindruckende Sammlung von Wasserflaschen aus aller Welt sowie historische Original-Selters-Flaschen. Zu den bekannten Persönlichkeiten, die das Wasser aus Niederselters tranken, zählen etwa Remigius Fresenius, Christoph Wilhelm Hufeland und Johann Wolfgang von Goethe.

    Zwischen historischen Flaschen aus aller Welt und originalen Selters-Krügen erzählt er von Zeiten, in denen das Wasser aus Niederselters in ganz Europa getrunken wurde. Namen wie Remigius Fresenius, Christoph Wilhelm Hufeland und sogar Johann Wolfgang von Goethe tauchen auf. Sie alle tranken dieses Wasser. Auch zur Orts- und Quellen­geschichte erfährt man Spannendes – von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Plötzlich wirkt das Glas auf dem Tisch ein bisschen ehrfürchtiger.

    Zum Abschied schenkte mir Dr. Zabel ein Buch zur Geschichte des Seltersbrunnens, welches er gemeinsam mit Eugen Caspary und Willi Hamm verfasst hat. Für einen Bücherliebhaber wie mich ist bereits die hochwertige Gestaltung ein Genuss: hochwertiges Papier, sorgfältig aufbereitete Grafiken und zahlreiche historische Abbildungen. Doch auch inhaltlich überzeugt das Werk – es erzählt die wechselvolle Geschichte des Ortes fundiert und zugleich lebendig, ohne je trocken zu wirken. Danke für dieses wunderbare Geschenk.

    Tipps

    Wer auf der A3 von Frankfurt in Richtung Köln unterwegs ist, findet bei Bad Camberg ein braunes Hinweisschild zum Selterswassermuseum.

    Regelmäßig geöffnet ist das Museum aktuell nicht. Es besteht aber die Möglichkeit individueller Führungen ab 10 Teilnehmern zum Preis von 5,00€/Person. Informationen dazu gibt es hier .

    Sammlung diverser Wasserflaschen aus aller Welt
  • Ein Haus, wie ein englischer Landschaftspark…nur moderner

    Ein Haus, wie ein englischer Landschaftspark…nur moderner

    Das Museum Reinhard Ernst

    Besucht am 24.05.2025

    Wer in Wiesbaden an der Kreuzung Rheinstrasse/ Wilhelmstrasse/ Friedrich-Ebert-Allee steht kann hier einen schönen Überblick über Baugeschichte sehen. Da sind zum einen die Jugendstilhäuser mit ihren wunderschönen Steinelementen und Bildern. Da ist das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur mit seinen Säulengängen, der Kuppel und der markanten Freitreppe. Im Innern unter anderem mit einer beeindruckenden Jugendstilsammlung, aber auch Alten Meistern und modernen Werken (s. Artikel „Kunst und Kuchen“ von Dezember 2019). Dann steht dem gegenüber das Rhein Main CongressCenter (RMCC), welches 2018 anstelle der alten Kongresshallen eröffnet wurde und mit seiner Fassade aus hohen Fenstern, gelben Sandstein und der beeindruckenden Treppe auffällt. Und da ist der „Zuckerwürfel“.

    Offene Räume

    Das Museum Reinhard Ernst wurde 2024 mit einem Jahr Verspätung geöffnet und ist ein Werk des Japanischen Architekten Fumihiko Maki, der leider kurz vor der Eröffnung verstarb. Der Industrielle Reinhard Ernst und seine Frau haben dieses Museum der Stadt Wiesbaden geschenkt und präsentieren darin Werke ihrer gut 960 Teile Umfassenden Privatsammlung moderner Kunst. Dafür wurde eigens eine Stiftung gegründet. Die Sammlung ist an den Vormittagen ausschließlich Schulen und Bildungseinrichtungen vorbehalten und Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Ziel ist es, Kunst allen zugänglich zu machen, weshalb das Foyer auch öffentlich ist. Auch hier befinden sich schon Kunstwerke.

    Weisse Schlichtheit

    Der Bau selbst besticht durch seine scheinbare Schlichtheit. Bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich aber als sehr ausgeklügelt und erstaunt immer wieder beim Durchwandern mit neuen Blickwinkeln und unterschiedlichsten Räumen. So ergeben sich immer neue Sichtweisen auf die ausgestellten Kunstwerke. Ähnlich wie in einem englischen Landschaftsgarten, wo sich mit jedem Positionswechsel eine neue Sichtachse auftut, kann man hier beim Durchschreiten des Gebäudes immer neue Perspektiven erleben. Dazu tragen auch die sehr unterschiedlichen einzelnen Ausstellungsräume bei. So findet man zum Beispiel im 1. Stock einen Raum, der eine komplette Glaswand zum Treppenhaus hat (wobei Treppenhaus hier nicht der richtige Begriff ist, denn das ganze Haus ist offen gestaltet und daher gibt es an dieser Stelle gar kein Treppenhaus im klassischen Sinne). Dadurch hat es die leichte Anmutung eines Aquariums. Zum Zeitpunkt meines Besuchs befanden sich in diesem Raum konsequenterweise Bilder zum Thema „Moby Dick“.

    Die Ausstellungen wechseln regelmäßig. So wird man im Laufe der Zeit die komplette Sammlung zu sehen bekommen. Sicher ist moderne Kunst nicht jedermanns Sache. Ich kann mich auch mit vielem nicht anfreunden. Aber ich bin neugierig und entdecke gerne. Ich kann nur empfehlen einfach mal völlig erwartungslos in eine solche Sammlung zu gehen. Betreten Sie einen Raum und lassen ihn auf sich wirken. Sie werden merken, irgendein Stück zieht Sie an, irritiert vielleicht, macht neugierig. Zu diesem gehen Sie hin und lassen Ihrer Fantasie freien Lauf. Was sehen Sie? Eine Landschaft? Personen? Pferde im Galopp? Eine menschliche Gestalt? Was lösen die Farben in Ihnen aus? Freude? Angst? Unwohlsein? Sehnsucht?… Ganz egal. Meiner Meinung nach kann man nie falsch liegen. Kunst soll die Sinne und die Gefühle ansprechen. Sicher kann man sich die Frage stellen, was einem der Künstler damit sagen wollte. Aber man muss es nicht. Ganz zum Schluss können Sie sich den Titel des Werkes anschauen. Vielleicht ist dieser für Sie vollkommen logisch, weil Sie genau das entdeckt haben. Vielleicht ist aber auch der Titel völlig abstrakt. Eigentlich spielt es keine Rolle. Sie haben Kunst „erfühlt“ und darum geht es. Sie haben sich auf etwas Neues eingelassen. Probieren Sie es einmal aus. Sie werden überrascht sein. Und dann treten Sie wieder hinaus auf die Wilhelmstrasse mit ihren schönen alten Häusern und den Bäumen rechts und links und entdecken die Realität neu.