Kategorie: Parks und Gärten

  • Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach

    Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach

    Besucht am 08.08.2025

    Seit ich in Hessen wohne, gab es zwei Orte, die ich unbedingt besuchen wollte: die Saalburg und das Freilichtmuseum Hessenpark. Zumindest letzteren habe ich nach neun Jahren nun endlich betreten.

    Der richtige Zeitpunkt

    Als Besuchstag habe ich mir einen weitestgehend sonnigen Freitag in den Schulferien ausgesucht und dementsprechend mit einem großen Andrang gerechnet. Ich hatte mich geirrt. Es war relativ leer bzw. die Besucher verteilten sich auf dem weitläufigen Gelände. Das war aber auch ganz gut. So kam man in die naturgemäß engen historischen Gebäude gut hinein und die Besucher blockierten sich nicht gegenseitig. Leider gab es dadurch aber auch nur recht wenige Vorführungen. Man kann nicht alles haben. Die Vorführungen werden von Ehrenamtlichen gemacht, und die können nun mal nicht jeden Tag. Sehr interessant war aber der anwesende Seiler, der auf einer kleinen Reeperbahn das Handwerk zeigte und Kinder ihre eigenen Springseile herstellen ließ.

    Vom Haupteingang gelangt man nach ein paar Metern auf einen schönen, weitläufigen Marktplatz. Hier befinden sich diverse Geschäfte: eine Bäckerei mit Landbrot und herrlichen Blechkuchen, ein Laden mit Wurstwaren, Läden mit diversen Handwerksartikeln und auch ein Hotel, in dem man zudem übernachten kann. Alle befinden sich in historischen Häusern, die man vor dem Abbruch gerettet und von ihrem ursprünglichen Standort in das Freilichtmuseum umgesetzt hat. In einem Hinterhof fand gerade eine Hochzeitsfeier mit Live-Musik statt. Denn im historischen Standesamt kann man auch heiraten.

    Leidenschaft für Bücher

    Besonderes Interesse hatte ich an der Druckerei. Leider war sie an diesem Tag nicht besetzt und auch die kleine Ausstellung war nicht zugänglich, obwohl es sogar einen Handzettel gibt, der einem den Rundgang erklärt. Schade, denn als Enkelin eines Druckers und ehemalige Studentin der Bibliothekswissenschaften mit einer Vorliebe für alte Drucke wäre das mein Highlight gewesen.

    Ganz Hessen auf 65 Hektar

    Die ganze Anlage ist in verschiedene geographische Bereiche gegliedert. Neben dem bereits erwähnten Marktplatz gibt es noch die Baugruppen Nordhessen, Osthessen, Mittelhessen, Rhein-Main, Südhessen und Werkstätten. Man findet alles von alten Bauernhöfen über Schulen, Kirchen und Gutshäuser bis zu Werkstätten und Ställen. Einige Gebäude sind auch im Innern im Originalzustand, andere sind mit kleinen Ausstellungen „bewohnt“ und innen relativ modern. So befindet sich in einem Haus eine Ausstellung zur Motorradmarke Horex, die aus Bad Homburg stammt. Diese Motorräder kenne ich seit meiner Kindheit, da ich einen Onkel hatte, der im Horex-Club war und damit immer wieder Ausfahrten machte – gerne auch mit Beiwagen. Zudem findet man einen Bauerngarten, eine alte Gärtnerei und diverse Nutzflächen mit Tieren. Hierbei handelt es sich vorwiegend um alte Rassen wie das Deutsche Sattelschwein oder das Vogelsberger Höhenvieh.

    Immer Neues zu entdecken

    Das Freilichtmuseum Hessenpark wurde 1974 gegründet und befindet sich auf einer Fläche von 65 Hektar. Die Sammlung wird seit der Gründung ständig erweitert. Neue alte Häuser kommen dazu (aktuell waren auch einige Gebäude im Bau, darunter eine historische Tankstelle). Neben den Gebäuden gibt es auch über 200.000 Objekte des Alltagslebens. Dabei ist eine kleine Ausstellung, in der quasi frühes Upcycling betrieben wurde, besonders spannend. Da wurden dann z. B. aus nicht mehr gebrauchten Stahlhelmen Nudelsiebe. Not macht erfinderisch. Wenn man sich einmal alt fühlen möchte, muss man sich nur die Sammlung zur Telekommunikation ansehen. Die dort gezeigten Telefonmodelle wecken Erinnerungen. Neben diversen Telefonen findet man sogar einen originalen C64.

    Das Freilichtmuseum ist einen Ausflug wert. Besonders für Familien ist es zu empfehlen. Die Großeltern werden aus dem „Das habe ich damals auch benutzt“-Modus nicht mehr rauskommen. Die Eltern werden denken: „Haben wir das wirklich mal gebraucht?“, und die Kinder können vieles entdecken und oft sogar spielerisch erfahren. So macht Geschichte Spaß. Und zugegeben: So wurde ich schon als Kind an Geschichte herangeführt. Und wenn es allen zu viel ist, dann lässt man sich in der Baugruppe Nordhessen nieder, trinkt etwas und schaut den Kindern beim Spielen zu.



    Tipps

    Der Hessenpark hat eine sehr informative Webseite: https://www.hessenpark.de/

    Wenn man viel erleben will, ist man wahrscheinlich am Wochenende besser bedient, wenn die Vorführungen stattfinden. Wenn man lieber selbst in Ruhe erkundet, empfiehlt sich ein Wochentag außerhalb der Ferien.

    Die Geschäfte am Markt bieten schöne Leckereien wie Wurst, Brot und Kuchen. Das kann man gleich für das Abendessen einplanen. Man sollte allerdings gleich zu Beginn einkaufen und die Sachen mit sich führen, da sie sehr beliebt und daher schnell ausverkauft sind.



  • Pflanzenpracht und Karamell-Eis

    Pflanzenpracht und Karamell-Eis

    Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof e.V. in Weinheim

    Besucht am 12.07.2025

    Vor Kurzem erzählte mir ein Kollege und lieber Freund, er wolle mal wieder nach Weinheim, um sich im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof umzuschauen. Da er selbst ein großer Gartenfreund ist und sein Umfeld immer wieder mit wunderschönen Fotos aus seiner eigenen grünen Oase erfreut, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mit einem solchen Kenner einen Ausflug zu machen.

    Weinheim ist mit dem Auto eine knappe Stunde von mir entfernt und über die Autobahnen A3, A77 und A5 gut zu erreichen. Auch mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Da wir an einem Samstag unterwegs waren, sind wir schon früh gestartet, was sich bei der Parkplatzsuche vor Ort als richtige Entscheidung erwies.

    Gartentradition von der Familie zur Stiftung

    1888 erwarb der Unternehmer Hermann-Ernst Freudenberg das 2,3 ha große Anwesen in Weinheim als Wohnsitz. Zusammen mit seiner Frau trug der pflanzenbegeisterte Namensgeber diverse seltene Gehölze zusammen – eine Leidenschaft, die er auch an die nachfolgenden Generationen vererbte. Im Jahre 1924 begann der Gartenarchitekt Prof. Heinrich Wiepking-Jürgensmann mit der Umgestaltung im architektonischen Stil, der heute noch das Gesamtbild prägt. Nachdem ab 1970 kein Familienmitglied mehr das Anwesen bewohnte, übernahm die Firma Freudenberg das Gelände und machte es 1983 als Schau- und Sichtungsgarten für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich.

    Grüne Oase

    Vorweg: Es wird nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Parks und Gärten wechseln im Jahreszyklus ständig ihr Aussehen, sodass man immer wieder Neues entdecken kann. Das ist auch der Grund, warum ich schon zu jeder Jahreszeit auf der Insel Mainau war – sie verliert einfach nie ihren Reiz. Ebenso verhält es sich hier. Sprichwörtlich hinter jedem Baum und Strauch gibt es etwas zu entdecken. Es grünt, blüht und summt überall. Stellenweise kann man sich in der Pracht völlig verlieren. Und das ist durchaus wörtlich gemeint …

    Überall laden kleine Ruheinseln zum Verweilen ein. Da steht eine Bank in einem wunderschönen Laubengang und gibt den Blick auf bienenumschwirrte Disteln frei, ohne dass man selbst sofort den Blicken anderer ausgesetzt ist. Eine weitere Bank unter alten Bäumen lädt zum Rasten ein, und eine kleine Terrasse mit rustikalen Tischen bittet zur Brotzeit. Zudem liegt im Zentrum des Gartens ein kleiner Teich mit Seerosen. Dieser grenzt direkt an eine große Wiese, auf der versprengte Stühle stehen und die Kinder zum Toben einlädt.

    Geniessen und lernen

    Der Garten ist aber nicht nur zur Erholung gedacht. Dem Pflanzenfreund (und dem, der es werden will) helfen kleine Schilder mit den jeweiligen Namen bei der Orientierung. Zudem sind die einzelnen Bereiche nach Lebensräumen bepflanzt. So kann man gezielte Inspiration für das eigene Zuhause sammeln. Auch aktuellen Klimaentwicklungen wird Rechnung getragen, indem dort schon vor langer Zeit ein Bereich mit Pflanzen gestaltet wurde, die an die trockeneren Wachstumsbedingungen in unseren Breiten angepasst sind. Wer will, kann sich hier also nicht nur der Schönheit hingeben und genießen, sondern ganz nebenbei auch eine Menge lernen.

    Da die Anlage über eine eigene Gärtnerei verfügt, besteht die Möglichkeit, Pflanzen zu erwerben. Dabei handelt es sich teilweise um neue Züchtungen, aber auch um Altbekanntes. Im angeschlossenen Laden kann man sogar kleine Samentütchen kaufen – eine freundliche Beratung gibt es inklusive. Und das alles für recht kleines Geld. Leider habe ich selbst keinen Garten, aber für meinen Balkon habe ich zwei Pflanzen (eine Taglilie und eine Ballonblume) sowie Saatgut mitgenommen. Schauen wir mal, wie das im kommenden Jahr aussieht.

    Zum Abschluss ein Eis

    Wir sind den Gartenwegen von außen nach innen kreisförmig gefolgt. Man kann sich aber auch einfach intuitiv treiben lassen. Einen Besuch ist der Hermannshof auf jeden Fall wert. Zum Abschluss sollte man unbedingt noch einen kleinen Spaziergang in die pittoreske Innenstadt von Weinheim unternehmen. Als mein Kollege vom besten Salz-Karamell-Eis schwärmte, hat er definitiv nicht untertrieben…


    Tipps

    Der Schau- und Sichtungsgarten ist ganzjährig geöffnet und bietet zu jeder Jahreszeit einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten der Gartengestaltung. https://sichtungsgarten-hermannshof.de/