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  • Die spinnen, die Römer? – Das Römerkastell Saalburg

    Die spinnen, die Römer? – Das Römerkastell Saalburg

    Besucht am 04.10.2026

    In der Grundschule hatte ich eine richtig engagierte Lehrerin, die mir Geschichte nahebrachte. Ihr Name war Frau Klier. Sie hat mein Geschichtsinteresse geweckt und unterstützt. Ich habe noch immer ein paar Zeitschriften zur Geschichte, die sie mir damals geschenkt hat. Eine ziemlich lange Zeit hatte ich sogar den Wunsch, Archäologie zu studieren. Daraus wurde dann zwar nichts, aber bis heute lese ich recht viel über alle möglichen geschichtlichen Themen.

    Ganz besonders fasziniert haben mich die antiken Ereignisse. Egal ob Athen, Sparta, Ägypten, Rom – ich finde das alles spannend. Und da ich nunmehr seit 10 Jahren in direkter Nachbarschaft zum Limes wohne, war es an der Zeit, einmal das Römerkastell Saalburg in Bad Homburg vor der Höhe zu besuchen.

    Zur richtigen Zeit

    Am Tag meines Besuchs wurde gerade ein neuer Teil der Ausstellung eröffnet. In den rekonstruierten Baracken kann man jetzt eine Mannschaftsstube (Contubernium) anschauen und sehen, auf welch beengtem Raum die römischen Soldaten lebten. Und auch, dass sie offensichtlich ziemlich klein waren. Für uns wirken die Betten (4 Etagenbetten für insgesamt 8 Soldaten) wie Kinderbetten. Wenn man sich dann überlegt, dass sich die römischen Soldaten für 25 Jahre verpflichteten, fühlt man sich heutzutage irgendwie verweichlicht.

    Die 25-jährige Verpflichtung hatte aber auch enorme Vorteile. In der Regel waren die Soldaten keine Römer, sondern kamen aus allen Teilen des Reiches. Einzig der Kommandant war Römer. In der Saalburg waren hauptsächlich britannische und hispanische Soldaten stationiert. Nach vollendeter Dienstzeit konnten die Soldaten dann römische Bürger werden – mit den dazugehörigen Rechten.

    Abenteuerlicher Parkplatz und Wochenendlegionäre

    Die Anreise zur Saalburg ist mit dem Auto ziemlich unkompliziert, da es eine gute Ausschilderung gibt. Allerdings ist die Parkplatzsituation vor Ort nicht so toll. Obwohl es ein ausgewiesener Parkplatz ist, hat er doch mehr von „Wildparken“ und es empfiehlt sich, schon früh da zu sein. Immer sonntags gibt es um 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr Führungen, die etwa 50 Minuten dauern. Dabei sind die um 13:00 und 15:00 Uhr als getrennte Führungen für Erwachsene und Kinder geplant. Aufgrund der Eröffnung der Stube fanden an dem Tag stündlich Führungen statt und es gab auch viele Highlights für Kinder. So waren an dem Tag die „Wochenendlegionäre“ da und haben vorgeführt, wie man früher gedrechselt hat und wie man mit dem Kurzschwert kämpfte. Zudem gab es kleine Wagenrennen (hier zog dann Papa den Wagen, in dem das Kind sich als Wagenlenker à la Ben Hur fühlen konnte). Ganz offensichtlich machte das riesigen Spaß.

    Wer fragt hat Glück

    Schon am Parkplatz sieht man die ersten Überreste. Dabei handelt es sich um die Ausgrabungen des zum Kastell gehörigen Dorfes. Hier wohnten die Familien, boten Händler ihre Waren feil und es gab ein Badehaus für alle. Durch zwei rekonstruierte Dorfgebäude betritt man dann das eigentliche Kastellgelände und schreitet auf das Haupttor zu. Dieses wird bewacht von einer Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius (* 19. September 86 bei Lanuvium; † 7. März 161 ebenda). Schreitet man durch das Tor, blickt man direkt links auf das Haus des Kommandanten (Praetorium). Hier befindet sich heute die Museumsleitung und die Bibliothek. Es ist nicht öffentlich zugänglich, kann aber bei bestimmten Führungen besichtigt werden. Die Führung, an der ich teilnahm, bot dies leider nicht, aber auf freundliche Nachfrage konnte ich doch kurz rein und den schönen und ruhigen Innenhof mit seinem mosaikgeschmückten Wasserbecken (leider gerade ohne Wasser) bewundern.

    Direkt gegenüber dem Haupttor befindet sich die Principia, das Hauptgebäude des Kastells. Darin findet der Besucher Ausstellungen zu den Fundstücken der Gegend. Das berühmteste und beeindruckendste Ausstellungsstück ist hier der Pferdekopf aus Waldgirmes – ein Fragment einer vergoldeten Bronzestatue, die vermutlich Kaiser Augustus zeigte und auf dem Marktplatz der römischen Siedlung Waldgirmes stand.

    Die große Halle diente als Trainingshalle. Hier stehen zwei mobile Holzpfosten (neu), die Spuren von Schwertkampfübungen zeigen. Im Innenhof kann man zwei der insgesamt über 90 entdeckten Brunnen finden. Warum so viele? Immer wenn einer versiegte, grub man einen neuen. Und so kamen im Laufe der Zeit (das Kastell bestand vom Anfang des 2. Jh. n. Chr. bis etwa 275 n. Chr.) so viele Brunnen zustande. Bei ungefähr 600 stationierten Soldaten und nochmal etwa 1.200 Dorfbewohnern waren diese auch nötig. Wenn die Brunnen versiegt waren, wurden sie in der Regel als Müllgruben genutzt – ein Umstand, der heute der Archäologie sehr hilft. Nichts gibt mehr Aufschluss über das Leben und die Menschen als der anfallende Müll. Vielleicht sollten wir darüber heute öfter nachdenken.

    Die Antike war bunt

    Ebenfalls im Hauptteil befindet sich die Waffenkammer. Hier findet man heute eine Ausstellung zur Waffentechnik der Römer und zu den Limestürmen. Das besondere Ausstellungsstück ist hier ein Schaukasten, in dem ein römisches Heer mit Playmobil-Legionären aufgebaut ist. Hier kann man sich genau anschauen, wie die Aufstellung und Aufteilung aussahen. Dieses Exponat dürfte Erwachsene wie Kinder gleichermaßen erfreuen.

    Geht man weiter, findet man einen Ausstellungsraum mit Weg- und Grabsteinen aus römischer Zeit und Erklärungen zum römischen Leben am Limes. Hier wird auch mit einem modernen Missverständnis aufgeräumt. Als das Kastell unter Kaiser Wilhelm II. ausgegraben und rekonstruiert wurde (1897–1907), nahm man an, dass für die Bauten normale Steine genutzt wurden und alles recht schmucklos war. Heute weiß man, dass die Antike knallbunt war (auch die Akropolis in Athen strahlte ursprünglich in allen bekannten Farben). Ein Grabstein verdeutlicht dies ganz besonders: Das gefundene Original und eine farblich rekonstruierte Kopie stehen hier direkt nebeneinander. Auch das gesamte Kastell war nicht so einheitlich naturfarben, wie es sich heute darstellt. Die Gebäude waren fast alle verputzt und bemalt. Heute kann man anhand der äußeren Gestaltung nachvollziehen, was aus der Zeit Wilhelms II. stammt und was nach neuestem archäologischem Wissensstand rekonstruiert wurde. Da mal genauer hinzuschauen, lohnt sich. Im Übrigen stellt der Wiederaufbau im Wesentlichen den Forschungsstand um 1900 dar. Heute weiß man nicht nur, dass die Häuser bunt bemalt waren, sondern auch, dass die Türme an den Toren höher waren und über drei Geschosse verfügten.

    Am Fahnenheiligtum kann man die reiche, farbige Ausstattung gut nachvollziehen. Hier befinden sich die Standarten der stationierten Legionen. Bei den ausgestellten Stücken handelt es sich um Rekonstruktionen aus der Zeit um 1900.

    Altes uns Neues – Rekonstruktionen

    Ein weiteres Highlight in diesem Komplex ist die Rekonstruktion des Tricliniums – das Speisezimmer aus Echzell. 1965 fand man beim Ausheben einer Baugrube Bruchstücke eines bemalten Wandverputzes. Insgesamt waren es etwa 10.000 Teile. Dieses gigantische Puzzle setzten Forscher wieder zusammen und ergänzten die fehlenden Stellen. Das plastische Ergebnis kann man hier bewundern.

    Durch ein Seitentor habe ich das Hauptgebäude dann verlassen und stieß direkt auf die Fabrica. Dieses innen sehr moderne Gebäude beinhaltet einen Veranstaltungsraum und ein kleines Kino, in dem man einen etwa 6-minütigen Film zum Kastell sehen kann (immer im Wechsel auf Englisch und Deutsch). Nur der Ton könnte etwas lauter sein. Aus der großen Halle lärmt es auch bei wenigen Besuchern ziemlich, und dadurch ist (auch bei geschlossener Tür) der Text schwer zu verstehen. Außerdem kann man in der Halle ausprobieren, wie sich die Soldaten in ihrer Freizeit beschäftigten. Es stehen verschiedene antike Spiele zur Verfügung, die man ausprobieren kann. Vom Lichthof aus (in dem verschiedene antike Porträtbüsten ausgestellt sind) gelangt man noch in rekonstruierte Werkstätten. Ein Schuhmacher, ein Beinschnitzer und eine Garküche werden hier mit ihrer Arbeit lebendig.

    Einmal im Kreis

    Ich habe mich dann entlang der Innenseite des Walls aufgemacht und bin einmal um das gesamte Kastell gelaufen. Insgesamt hatte es vier Tore, an denen auch Tafeln angebracht sind, auf denen Spender genannt sind. Diese hatten den Kaiser bei der Rekonstruktion des Kastells finanziell unterstützt. Stilgerecht sind diese Stiftertafeln natürlich in Latein geschrieben und ähneln damit Originalinschriften aus der Römerzeit.

    Am östlichen Wall befindet sich die Rekonstruktion eines römischen Ofens. Augenscheinlich wird damit auch tatsächlich von Zeit zu Zeit gebacken. Direkt daneben finden sich dann die ehemaligen Latrinen. Hier kann man noch sehen, wie fortschrittlich die Römer im Bezug auf das Abwasser waren. Man saß auf einem Brett mit entsprechenden Aussparungen nebeneinander (Scham im heutigen Sinne war damals kein Thema, denn die Latrinen dienten auch als Besprechungsorte). Unter dem Brett verlief ein kleiner Kanal, der mit Wasser gespeist wurde. Man hatte damals also schon eine Wasserspülung. Naheliegenderweise befand sich gleich gegenüber ein Badehaus. Hier kann man gleich noch Reste der Heizung entdecken. Detaillierter sieht man das auch in den Überresten der Herberge direkt vor dem Haupttor des Kastells. Hier gab es in einigen Zimmern eine Fußbodenheizung, deren Aufbau anschaulich erhalten ist.

    Der hintere Teil des Kastells ist weitestgehend eine freie Fläche. Vereinzelt kann man einige Überreste sehen und den Aufbau des Walls und der Verteidigungsanlagen genauer anschauen. Trotz der vielen Besucher an diesem Tag war es hier hinten recht ruhig und leer. Aufgrund der Flächengröße verläuft es sich angenehm. Das gilt im Übrigen für das gesamte Kastell. Man kam an alle Exponate gut heran und konnte auch ausreichend lange verweilen.

    Speisen wie die alten Römer

    Das galt allerdings nicht für das Museumsrestaurant Taberna. Hier hätte ich sehr gerne eines der römischen Gerichte probiert, aber es war einfach kein Platz mehr frei. Ich habe dann überlegt, wenigstens eine der römisch gewürzten Würste auf die Hand zu nehmen. Dazu muss man im Inneren an der Kasse bestellen und bekommt dann sein Essen. Wenn man sich dort anstellt, steht man aber automatisch dem Personal im Weg. Ich habe es dann gelassen.

    Auf dem Weg zurück zum Auto habe ich mir noch die Überreste der alten Herberge und des Badehauses genauer angesehen. Wenn man sich überlegt, wie viele Menschen hier lebten und wie klein die Gebäude sind, fragt man sich, wie die da alle Platz fanden.

    Noch eine Erklärung zum Namen Saalburg: Der klingt alles andere als römisch und ist auch ein neuzeitlicher Begriff. Leider ist an keiner Stelle ein römischer oder auch germanischer Name für das Kastell überliefert. Daher wurde der Begriff Saalburg gewählt. Dieser stammt vermutlich vom Wort „sala“ aus dem Althochdeutschen bzw. Fränkischen und bedeutet Saal, Herrenhof oder große Halle


    Tipps

    • Wie bereits erwähnt, lohnt es sich, früh zu kommen, da die Parkplätze begrenzt und eng sind. Alle Informationen zur Anfahrt, zu den Öffnungszeiten, Führungen und Sonderveranstaltungen findet man auf der Webseite der Saalburg.
    • Auch Wikipedia bietet wie immer einige Grundinformationen zur Saalburg und zum Limes
    • Zwischen Niedernhausen und Idstein befindet sich an der L3026 eine Rekonstruktion eines Limesturms. Dieser wird von Ehrenamtlichen betreut und ist sonntags zwischen 14:00 und 16:00 Uhr zu besichtigen. Im Winter finden keine Besichtigungen statt. Informationen dazu finden sich auf deren Webseite.