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  • Der Tag des offenen Denkmals

    Der Tag des offenen Denkmals

    Mit offenen Augen durch die Welt

    In meinem kleinen Blog beschäftige ich mich mit kulturellen Ausflugszielen. Aber nicht jedes einzelne Ausflugsziel reicht für einen ganzen Beitrag. Daher habe ich den diesjährigen Tag des offenen Denkmals zum Anlass genommen, mal ein paar einzelne Sehenswürdigkeiten zu betrachten, die einem auf dem Weg begegnen.

    Nicht erst durch den Blog habe ich angefangen, mit offenen Augen durch die Gegend zu wandern, und ab und zu entdeckt man die eine oder andere kleine oder große Schönheit. Oder man betrachtet etwas Bekanntes mit neuen Augen. Ihr werdet in diesem Artikel auch auf Dinge stoßen, die ich entweder schon mal betrachtet habe oder in nächster Zeit genauer vorstellen werde.

    Zentralflughafen Tempelhof

    Zu letzteren gehört unzweifelhaft der Flughafen Tempelhof in Berlin. Ich kenne ihn noch als Militärflughafen der amerikanischen Alliierten in West-Berlin. Zu dieser Zeit hatte ich leider nie die Gelegenheit, die Abflughalle zu besichtigen. Per Zufall bot sich mir aber vor Längerem plötzlich eine Chance: Da ich noch etwas Zeit bis zu einer Verabredung hatte, habe ich die Gelegenheit genutzt.

    Heute ist der ehemalige Zentralflughafen nicht mehr in Betrieb. Aus der Rollbahn wurde wieder das Tempelhofer Feld (so hieß der Ort schon lange, bevor der Flughafen entstand), auf dem sich heute Berliner treffen, um ihre Freizeit zu verbringen.

    In den Hangars finden mittlerweile Opernaufführungen oder Konzerte statt, und das Gebäude kann man im Rahmen von Führungen erkunden – nicht nur am Tag des offenen Denkmals.

    Wunschziele

    Dieser findet übrigens seit 1993 immer am zweiten Sonntag im September statt. Organisiert wird das Ganze durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, und Ziel ist es, die Bedeutung des baukulturellen Erbes erlebbar zu machen. Dafür werden an diesem Tag vor allem Baudenkmäler geöffnet, die sonst nicht zugänglich sind. Dazu gehört z. B. auch das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege im Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg, direkt oberhalb des Wasserfalls. Eine sehr enge Freundin von mir hat zu Schulzeiten genau gegenüber gewohnt. Ich habe es jedoch leider bis heute nicht geschafft, dort mal reinzugehen, wenn es möglich ist. Das steht also noch auf meiner Wunschliste.

    Nun sollte man ja meinen, dass ein jährlich wiederkehrendes Datum gut zu merken ist und es kein Problem sein sollte, seine Ausflüge danach zu planen. Leider ist das ein typischer Fall von „Denkste“. Jedes Jahr stelle ich wenige Tage vorher (2016 genau zwei Tage davor) fest, dass es wieder soweit ist, und natürlich bin ich dann nicht mehr in der Lage, etwas Sinnvolles zu planen. Was dazu führt, dass ich leider ziemlich wenige meiner Wunschdenkmäler tatsächlich schon von innen besichtigen konnte. Die meisten kenne ich also nur von außen.

    Das Niederwalddenkmal

    Das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim kann man allerdings ohnehin nicht von innen besuchen, sondern nur von außen. Dafür hat man von dort einen herrlichen Überblick über den Rhein. Und den Aufstieg von Rüdesheim aus kann man sich auch recht angenehm machen: Statt zu laufen, kann man die Seilbahn nehmen und ganz entspannt über die Weinberge schweben. Als ich zuletzt dort war, war es allerdings weniger angenehm: Es regnete. Dann sind die offenen und schmalen Gondeln leider alles andere als gemütlich.

    Ein Café – aber nicht für jeden geeignet

    Eine ganz andere Art von Denkmal findet man nicht sehr oft in Berlin: das sogenannte „Café Achteck“. Gemeint ist damit ein Pissoir. Dessen gusseiserne Wände (meistens in Grün) sind so aufgestellt, dass sie ein Achteck ergeben. Daher der Name. Der Entwurf stammt vom Stadtbaurat Carl Theodor Rospatt aus dem Jahr 1878. 1920 gab es noch ungefähr 140 von diesen Pissoirs in ganz Berlin. Heute findet man noch einige im Berliner Stadtbild. Das auf dem Bild steht am Chamissoplatz in Berlin-Kreuzberg.

    Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

    Ebenfalls in Berlin steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Diese wurde in den Jahren 1891–1895 von Franz Schwechten im Stil der Neoromanik erbaut. Ihr Kirchturm war bis zu seiner Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg mit 113 Metern der damals höchste in Berlin. Nach dem Krieg hat man die Halbruine gesichert und als Mahnmal erhalten. In der Verfilmung des Kästner-Buchs EMIL UND DIE DETEKTIVE von 1954 treffen sich Emil und Gustav im oberen Geschoss der Halbruine. Dort kann man heute leider nicht mehr so ohne Weiteres hinaus. Aber man kann noch in die alte Vorhalle. Während Corona war hier auch ein Testzentrum untergebracht. Während ich dort auf meinen PCR-Test gewartet habe, konnte ich in aller Ruhe das Mosaik von Hermann Schaper bewundern. Ein echtes (West-)Berliner Wahrzeichen und von den Berlinern nur „Hohler Zahn“ genannt. Die Berliner geben ihren Wahrzeichen gerne Spitznamen. Neben der Halbruine stehen die Neubauten der Kirchengemeinde: der Gemeinderaum („Puderdose“ genannt) und der Glockenturm (oder auch „Lippenstift“). Dazu kann ich bei nächster Gelegenheit ebenfalls einen Artikel machen.

    Friedhöfe – Denkmäler in großer Zahl

    Von Kirchen ist es zu Friedhöfen nicht weit. Was dort an wunderschönen Denkmälern steht, habe ich Euch schon in meinem Artikel zum Frankfurter Hauptfriedhof gezeigt. Und es werden sicher in der Zukunft weitere Friedhöfe folgen. Zwei Beispiele seien hier stellvertretend genannt: ein Familienmausoleum auf dem städtischen Friedhof in Wunsiedel im Fichtelgebirge und ein besonders beeindruckendes Mahnmal auf dem jüdischen Teil des Offenbacher Friedhofs. Dieses Mahnmal entstand bei der Umbettung alter Gräber vom Alten auf den Neuen Friedhof. Die Verstorbenen wurden umgebettet und aus den alten Grabsteinen wurden zwei Türme errichtet.

    Moderne Esskultur als Denkmal

    Ein sehr schönes und lebendiges Denkmal steht in Bonn. Dort findet man das „Bundesbüdchen“. An dieser Wurstbude (die zwar original, aber nicht mehr am Originalstandort ist) aß schon Konrad Adenauer in der Mittagspause sein Würstchen.

    Das Haus des Rundfunks

    Zu guter Letzt kommen wir nochmal nach Berlin: ins Haus des Rundfunks an der Masurenallee. Wenn man in den Großen Sendesaal will, z. B. weil dort ein schönes Konzert stattfindet, durchquert man den großen Lichthof – ein eindrucksvolles Beispiel moderner Architektur der 1930er-Jahre. Im Haus gibt es auch noch einen funktionierenden Paternoster, den ich selbst schon mehrfach benutzen konnte. Für die allgemeine Öffentlichkeit ist er allerdings nicht mehr zugänglich, da die Sicherheitsregelungen es leider nicht mehr zulassen. Wie bei den meisten Paternostern, die heute noch existieren.

    Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig neugierig machen und dazu animieren, auch einmal mit offenen Augen durch die Gegend zu gehen – oder vielleicht im kommenden Jahr zum Tag des offenen Denkmals die eine oder andere Gelegenheit zum Besuch zu nutzen.


    Tipps

    Hier wie immer noch ein paar weiterführende Links:

    Unter dem Link https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/ findet ihr allgemeine Informationen und alle Termine zum Tag des offenen Denkmals. Es gibt auch eine gute Suchfunktion mit Karte.

    Zur Geschichte des Tags des offenen Denkmals findet ihr mehr auf der Wikipedia-Seite.

    Und zum Haus des Rundfunks gibt es auf der Seite von Visit Berlin auch einiges nachzulesen.


    Das Bundesbüdchen in Bonn
    Flughafen Tempelhof - Übergang zum Rollfeld
  • Bonn: Weg der Demokratie

    Bonn: Weg der Demokratie

    Besucht am 27.09. 2025

    Ich gehöre noch zu den Menschen, die die „Bonner Republik“ kennen. Als ehemalige West-Berlinerin war das immer eine merkwürdige Situation. Man wohnte „neben“ der Hauptstadt der DDR in der der ehemaligen Deutschen Hauptstadt. Andererseits hatten wir unsere Ruhe, wir waren etwas „ab vom Schuss“ und jeder beneidete uns. Dass die Regierung in dem Kleinstädtchen am Rhein saß, war ganz gut so. Wir hatten die Alliierten (ich selbst wohnte im amerikanischen Sektor) und Berliner Bürgermeister wurden ja auch gerne was in der Bonner Republik. Wir waren quasi ein „Insel-Sprungbrett“.

    Nach dem Mauerfall änderte sich das. Berlin wurde wieder Hauptstadt und Bonn…entwickelte sich prächtig.

    Bis heute befinden sich noch sechs Ministerien mit Ihren Hauptsitzen in Bonn, alle anderen haben den Umzug nach Berlin vollständig vollzogen. Die Gebäude, die für 50 Jahre die Bundesregierung und Ihre Ministerien beherbergten (Bonn war von 1949-1990 provisorische Hauptstadt und bis 1999 alleiniger Regierungssitz), stehen noch und diese kann man auf dem Weg der Demokratie ablaufen.

    Der Rundgang beginnt am Haus der Geschichte der Demokratie in Deutschland. Aktuell ist das Museum wegen Renovierung geschlossen. Trotzdem kann man im Museumsshop typisch Deutsche Kleinigkeiten erwerben (in meiner Wohnung steht jetzt ein Wackeldackel, wie ihn schon mein Opa im Auto hatte) und im Keller den erste Dienst-Mercedes von Konrad Adenauer (Kennzeichen 0-002) sowie den ehemaligen Salonwagen der Bundeskanzler besichtigen.

    Der eigentliche Weg der Demokratie beginnt gegenüber dem Museum, wo sich das ehemalige Kanzleramt befindet, welches Helmut Schmidt einmal mir den Worten beschrieb: „Es könnte genauso gut eine rheinische Sparkasse darin residieren.“ Widersprechen möchte man ihm nicht. Ein Stück weiter, wo der Bundeskanzlerplatz in die Adenauerallee über geht, steht die Statue des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Ein imposanter Kopf mit vielen Darstellungen seiner Lebensstationen. Ein genauer Blick lohnt und man kann sogleich ein wenig sein Allgemeinwissen überprüfen.

    Gleich daneben befindet kann man einen fernen Blick auf den Kanzlerbungalow werfen. Auch hier sind aktuell wegen Renovierungsmaßnahmen keine Besichtigungen möglich.

    Direkt daneben befindet sich das Palais Schaumburg, welches bis vor kurzem noch von der Bundesregierung als zweiter offizieller Dienstsitz genutzt wurde.

    Dem schließt sich ein weiteres prunkvolles Gebäude an. Die Villa Hammerschmidt dient bis heute als offizieller zweiter Amtssitz des Bundespräsidenten.

    Nur wenige Meter weiter befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite das Museum König. Da nach dem Zweiten Weltkrieg viele Gebäude zerstört waren, nutze man den Lichthof des Zoologischen Museums 1948 für die Eröffnung des Parlamentarischen Rates, der in den anschließenden Wochen das Grundgesetz ausarbeitete. Das dann allerdings nicht mehr im Museum. Dessen Räume dienten dann aber noch für einige Zeit Konrad Adenauer und seinen Mitarbeitern als Büros. Adenauer belegte dabei nur für wenige Monate das Büro des Museumsdirektors, einige Mitarbeiter (darunter Vizekanzler Blücher) bleiben noch bis 1951 im Museum.

    Weiter geht es runter an der Rhein. Allein der Blick auf diesen deutschesten aller Flüsse ist schon beeindruckend und wie bestellt, flog während unserer Besichtigung auch noch ein Zeppelin über uns hinweg. Jetzt öffnet sich der Blick für uns auf die Rückseiten der schon gesehenen Gebäude. Nur vom Kanzlerbungalow sieht man auch von hier aus wenig. Dafür müsste man auf die andere Rheinseite.

    Am Rheinufer fallen mir dann noch ein paar kleine Säulen auf. Bei genauerer Betrachtung sind das Informationspunkte des Bonner Planetenlehrpfads. Ein verkleinertes, aber maßstabsgetreues Modell unseres Sonnensystems. Leider fehlte die Zeit sich damit näher zu beschäftigen.

    Der Pfad der Demokratie führt nun wieder vom Rhein weg. Aber nur ein paar Meter. Vorbei an Konrads Skybar im Hotel Marriot und schon stehen wir vor dem alten Bundeshaus, welches früher den Bundesrat beherbergt hat. Ein weißes Gebäude im Bauhausstil. Erbaut zwischen 1930 und 33. Dem schließt sich der 1986-92 erbaute Plenarsaal des Bundestags an. Hier zeigt sich wie Planung und Geschichtsverlauf aufeinanderstoßen. Als geplant wurde das alte Wasserwerk zum neuen Plenarsaal des Bundestags umzubauen, war eine deutsche Wiedervereinigung noch nicht denkbar. Mitten in den Arbeiten fiel dann 1989 die Mauer und die Tatsache, dass Bonn nur eine provisorische Hauptstadt war, kam wieder auf die Tagesordnung. Der vom Architekten Dr. Behnisch (der auch für die Olympiabauten 1972 in München verantwortlich war) erdachte Bau wurde nur wenige Jahre genutzt. Heute ist es ein Kongresscenter. Durch einen unterirdischen Gang ist es mit dem gegenüberliegenden Gebäude verbunden und dient für Messen und Kongresse.

    Dass Bonn aber einmal ein wichtiger Ort war verdeutlicht, dass hier auch direkt nebenan die UN saß. Nach dem Krieg begann deren Arbeit hier mit nur zwei Mitarbeitern und wuchs schnell zu einem wichtigen Standort. Heute arbeiten hier rund 1.000 Menschen und das Gelände ist offiziell exterritoriales Gebiet. Hier beschäftigt sich die UN vorrangig mit den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Wasserpolitik.  Außerdem befindet sich hier auch der UN-Campus.

    In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Plenarsaals befindet sich das „Bundesbüdchen“. Wohl (West-) Deutschland berühmteste Imbissbude. Heute ist sie um einige Meter zum Originalstandort versetzt, besteht aber noch immer. Man sagt, dass Konrad Adenauer hier regelmäßig vorbeikam und ein paar Würstchen ass. Leider kamen wir am Besuchstag nicht in den Genuss. Die Bude hatte leider geschlossen.

    Das Haus der Geschichte hat seine Tore mittlerweile wieder geöffnet. Die neue Dauerausstellung kann man kostenfrei besichtigen. Begleitungen wie „Der Weg der Demokratie“ oder durch die Dauerausstellung sind ebenfalls kostenfrei.

    Weitere Informationen dazu finden sich auf der Webseite https://www.hdg.de/haus-der-geschichte