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    Bonn: Weg der Demokratie

    Besucht am 27.09. 2025

    Ich gehöre noch zu den Menschen, die die „Bonner Republik“ kennen. Als ehemalige West-Berlinerin war das immer eine merkwürdige Situation. Man wohnte „neben“ der Hauptstadt der DDR in der der ehemaligen Deutschen Hauptstadt. Andererseits hatten wir unsere Ruhe, wir waren etwas „ab vom Schuss“ und jeder beneidete uns. Dass die Regierung in dem Kleinstädtchen am Rhein saß, war ganz gut so. Wir hatten die Alliierten (ich selbst wohnte im amerikanischen Sektor) und Berliner Bürgermeister wurden ja auch gerne was in der Bonner Republik. Wir waren quasi ein „Insel-Sprungbrett“.

    Nach dem Mauerfall änderte sich das. Berlin wurde wieder Hauptstadt und Bonn…entwickelte sich prächtig.

    Bis heute befinden sich noch sechs Ministerien mit Ihren Hauptsitzen in Bonn, alle anderen haben den Umzug nach Berlin vollständig vollzogen. Die Gebäude, die für 50 Jahre die Bundesregierung und Ihre Ministerien beherbergten (Bonn war von 1949-1990 provisorische Hauptstadt und bis 1999 alleiniger Regierungssitz), stehen noch und diese kann man auf dem Weg der Demokratie ablaufen.

    Der Rundgang beginnt am Haus der Geschichte der Demokratie in Deutschland. Aktuell ist das Museum wegen Renovierung geschlossen. Trotzdem kann man im Museumsshop typisch Deutsche Kleinigkeiten erwerben (in meiner Wohnung steht jetzt ein Wackeldackel, wie ihn schon mein Opa im Auto hatte) und im Keller den erste Dienst-Mercedes von Konrad Adenauer (Kennzeichen 0-002) sowie den ehemaligen Salonwagen der Bundeskanzler besichtigen.

    Der eigentliche Weg der Demokratie beginnt gegenüber dem Museum, wo sich das ehemalige Kanzleramt befindet, welches Helmut Schmidt einmal mir den Worten beschrieb: „Es könnte genauso gut eine rheinische Sparkasse darin residieren.“ Widersprechen möchte man ihm nicht. Ein Stück weiter, wo der Bundeskanzlerplatz in die Adenauerallee über geht, steht die Statue des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Ein imposanter Kopf mit vielen Darstellungen seiner Lebensstationen. Ein genauer Blick lohnt und man kann sogleich ein wenig sein Allgemeinwissen überprüfen.

    Gleich daneben befindet kann man einen fernen Blick auf den Kanzlerbungalow werfen. Auch hier sind aktuell wegen Renovierungsmaßnahmen keine Besichtigungen möglich.

    Direkt daneben befindet sich das Palais Schaumburg, welches bis vor kurzem noch von der Bundesregierung als zweiter offizieller Dienstsitz genutzt wurde.

    Dem schließt sich ein weiteres prunkvolles Gebäude an. Die Villa Hammerschmidt dient bis heute als offizieller zweiter Amtssitz des Bundespräsidenten.

    Nur wenige Meter weiter befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite das Museum König. Da nach dem Zweiten Weltkrieg viele Gebäude zerstört waren, nutze man den Lichthof des Zoologischen Museums 1948 für die Eröffnung des Parlamentarischen Rates, der in den anschließenden Wochen das Grundgesetz ausarbeitete. Das dann allerdings nicht mehr im Museum. Dessen Räume dienten dann aber noch für einige Zeit Konrad Adenauer und seinen Mitarbeitern als Büros. Adenauer belegte dabei nur für wenige Monate das Büro des Museumsdirektors, einige Mitarbeiter (darunter Vizekanzler Blücher) bleiben noch bis 1951 im Museum.

    Weiter geht es runter an der Rhein. Allein der Blick auf diesen deutschesten aller Flüsse ist schon beeindruckend und wie bestellt, flog während unserer Besichtigung auch noch ein Zeppelin über uns hinweg. Jetzt öffnet sich der Blick für uns auf die Rückseiten der schon gesehenen Gebäude. Nur vom Kanzlerbungalow sieht man auch von hier aus wenig. Dafür müsste man auf die andere Rheinseite.

    Am Rheinufer fallen mir dann noch ein paar kleine Säulen auf. Bei genauerer Betrachtung sind das Informationspunkte des Bonner Planetenlehrpfads. Ein verkleinertes, aber maßstabsgetreues Modell unseres Sonnensystems. Leider fehlte die Zeit sich damit näher zu beschäftigen.

    Der Pfad der Demokratie führt nun wieder vom Rhein weg. Aber nur ein paar Meter. Vorbei an Konrads Skybar im Hotel Marriot und schon stehen wir vor dem alten Bundeshaus, welches früher den Bundesrat beherbergt hat. Ein weißes Gebäude im Bauhausstil. Erbaut zwischen 1930 und 33. Dem schließt sich der 1986-92 erbaute Plenarsaal des Bundestags an. Hier zeigt sich wie Planung und Geschichtsverlauf aufeinanderstoßen. Als geplant wurde das alte Wasserwerk zum neuen Plenarsaal des Bundestags umzubauen, war eine deutsche Wiedervereinigung noch nicht denkbar. Mitten in den Arbeiten fiel dann 1989 die Mauer und die Tatsache, dass Bonn nur eine provisorische Hauptstadt war, kam wieder auf die Tagesordnung. Der vom Architekten Dr. Behnisch (der auch für die Olympiabauten 1972 in München verantwortlich war) erdachte Bau wurde nur wenige Jahre genutzt. Heute ist es ein Kongresscenter. Durch einen unterirdischen Gang ist es mit dem gegenüberliegenden Gebäude verbunden und dient für Messen und Kongresse.

    Dass Bonn aber einmal ein wichtiger Ort war verdeutlicht, dass hier auch direkt nebenan die UN saß. Nach dem Krieg begann deren Arbeit hier mit nur zwei Mitarbeitern und wuchs schnell zu einem wichtigen Standort. Heute arbeiten hier rund 1.000 Menschen und das Gelände ist offiziell exterritoriales Gebiet. Hier beschäftigt sich die UN vorrangig mit den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Wasserpolitik.  Außerdem befindet sich hier auch der UN-Campus.

    In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Plenarsaals befindet sich das „Bundesbüdchen“. Wohl (West-) Deutschland berühmteste Imbissbude. Heute ist sie um einige Meter zum Originalstandort versetzt, besteht aber noch immer. Man sagt, dass Konrad Adenauer hier regelmäßig vorbeikam und ein paar Würstchen ass. Leider kamen wir am Besuchstag nicht in den Genuss. Die Bude hatte leider geschlossen.

    Das Haus der Geschichte hat seine Tore mittlerweile wieder geöffnet. Die neue Dauerausstellung kann man kostenfrei besichtigen. Begleitungen wie „Der Weg der Demokratie“ oder durch die Dauerausstellung sind ebenfalls kostenfrei.

    Weitere Informationen dazu finden sich auf der Webseite https://www.hdg.de/haus-der-geschichte