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  • Zu Besuch in Entenhausen – Das Erika-Fuchs-Haus

    Zu Besuch in Entenhausen – Das Erika-Fuchs-Haus

    Besucht am 09.08.2026

    Wart Ihr schon mal in Entenhausen? Nein? Dann wird es Zeit.

    In Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof habt Ihr dazu die Gelegenheit. Dort steht nämlich das Erika-Fuchs-Haus, in dem sich Deutschlands erstes Comicmuseum befindet. Das Museum gibt es seit dem 1. August 2015, und 2026 wurde es mit dem „Kulturpreis Deutsche Sprache“ ausgezeichnet. Doch warum ausgerechnet in Schwarzenbach und wer war Erika Fuchs?

    Eine Frau mit Vorbildcharakter

    Erika Fuchs wurde als Johanne Theodolinde Erika Petri 1906 in Rostock geboren. Während ihres kunstgeschichtlichen Studiums lernte sie in München den Ingenieur Günter Fuchs aus Schwarzenbach an der Saale kennen und heiratete ihn 1932. Ende der 1940er-Jahre bemühte sich Erika um Übersetzungsaufträge und konnte für den Rowohlt-Verlag und Reader’s Digest einige Artikel und Kurzgeschichten übersetzen. 1951 fragte man sie, ob sie für den neu gegründeten EHAPA-Verlag Chefredakteurin der neuen Comic-Zeitschrift „Micky Maus“ werden wolle. Nach kurzem Überlegen nahm sie das Angebot an und schuf damit über Jahrzehnte etwas Besonderes. Ihre Übersetzungen waren nicht wörtlich. Sie nahm die Geschichten und Bilder und passte sie an – und zwar mit Anspruch. In ihren Sprechblasen finden sich jede Menge Zitate und Anspielungen auf die deutsche Literatur. Goethe, Schiller, Lessing… die Worte all dieser Literaturgrößen wurden Donald und Co. von ihr in den Schnabel gelegt.

    Etwa 20 Jahre lang übersetzte sie alle in der „Micky Maus“ erscheinenden Geschichten. Ab den 1970er-Jahren beschränkte sie sich auf die in Entenhausen spielenden Geschichten und später nur noch auf jene, in denen Donald die Hauptfigur war. Man kann also sagen, sie war Donalds deutsche Ziehmutter. Durch ihre Arbeit wandelte sich der Blick auf Comics. Waren sie in den 1950er-Jahren noch als Schund abgestempelt worden, betrachtete man sie in den 1960er-Jahren im Zuge der aufkommenden Popkultur bereits differenzierter. Heute sind sich Sprachwissenschaftler weitestgehend einig, dass ihr Werk die deutsche Sprache deutlich beeinflusst hat. So bezeichnet man ihr zu Ehren die von ihr verwendete Inflektivform zur visuellen Darstellung von nichtvisuellen Vorgängen als „Erikativ“.

    Nach dem Tod ihres Mannes zog Erika nach München zu ihren Kindern. Dort verstarb sie 2005 im Alter von 98 Jahren. Begraben wurde sie an der Seite Günters in Schwarzenbach. 2006 brachte die D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) am Wohnhaus in Schwarzenbach eine Gedenktafel an.

    Das Erika-Fuchs-Haus mit den Vorplatzskulpturen

    Der Besuch

    Das Museum befindet sich nicht im ehemaligen Wohnhaus in der Marienstraße, sondern in der nahegelegenen Bahnhofstraße. Vor dem Haus kann man gut parken, und der Bahnhof ist auch nur wenige Meter entfernt. Man kann das Museum gar nicht verfehlen, denn vor dem Haus stehen bereits einige Skulpturen, die durch ihren Comic-Charakter eindeutig den Weg weisen. Auf der Webseite des Museums kann man einiges über diese Freiluft-Ausstellung lesen. Die Exponate wechseln alle paar Jahre. Die aktuellen Skulpturen stammen von Luise Mirdita und wurden 2025 aufgestellt.

    Im hellen Inneren des Museums fällt einem zuerst der Museumsshop auf, der einem gut sortierten Comicladen gleicht (welch Wunder!). Die Dame an der Kasse ist sehr freundlich und hilfsbereit (was ich am Schluss noch einmal merkte, als ich ein paar Sachen erwarb und Rat brauchte). Es gibt ausreichend Schließfächer, einige sogar mit Steckdose, damit man sein Handy zwischendurch aufladen kann. Allerdings sind sie auch etwas klein. Meine Handtasche passte genau rein, eine Jacke hätte keinen Platz mehr gehabt.

    Wenn man die Treppe zur Dauerausstellung hinaufgeht, beginnt diese mit einem kleinen Film. Was ich besonders gut finde, ist, dass die Tür sich automatisch öffnet, kurz bevor der Film anfängt, und sich danach wieder schließt. So verpasst man den Anfang nicht und kann den ganzen Film in Ruhe schauen. Und das sollte man auch. Auf drei sich ergänzenden Leinwänden wird die Entstehungs- und Kulturgeschichte der Comics erzählt. Auch erhält man eine kurze Einführung in Aufbau, Struktur und Elemente von Comics. Ein sehr guter Start.

    Erster Blick auf Entenhausen. Links das Haus von Donald Duck

    Interaktiv und amüsant

    Am Ende des Films öffnet sich gegenüber der Eingangstür ein Vorhang und plötzlich steht man in Entenhausen! Vor einem tut sich ein kleiner Nachbau dieser Comicstadt auf. Gleich zur Linken befindet sich Donalds Haus, schräg daneben das von Daniel Düsentrieb. Und beide kann man betreten. Genau wie Oma Ducks Bauernhof (Kinder können sogar reinkriechen) – und überall gibt es kleine Hinweisschilder, die die Erwachsenen lesen können. Hier erfährt man Biografisches über die Figuren und Entenhausen. An einem Baum befindet sich der Stammbaum der Duck’schen Familie. Und ganz groß befindet sich in der Mitte des Raumes Dagoberts Geldspeicher. Auch den kann man betreten, und im Innern befindet sich ein „Bällebad“, in dem aber Taler statt Bälle liegen. Man kann dort selber einmal in Talern schwimmen und es Onkel Dagobert gleichtun (Fotografieren ist übrigens ausdrücklich erlaubt).

    Bad in Dagoberts Geldspeicher

    Touri spielen in Entenhausen

    Ein Selfie vor der Stadtansicht von Entenhausen und dem Münster ist natürlich Pflicht. Im hinteren Bereich befindet sich auch ein interaktiver Tisch mit einem Plan von Entenhausen und Umgebung. Hier kann man verschiedene Punkte anklicken und so einen Überblick bekommen, wo sich welche Sehenswürdigkeit genau befindet. Was für eine klasse Idee, aus allen Angaben in den Comics einen richtigen Stadtplan zu machen! Entenhausen wird dadurch ein Stück realer.

    Vorbei am Hafen und dem Entenhausener Umland verlässt man diesen hellen, bunten und freundlichen Raum und betritt einen wesentlich sachlicheren und etwas dunkleren. Hier wird (natürlich als Comic) die Lebensgeschichte von Erika Fuchs erzählt. Diese Darstellung kann man auch als Mappe im bereits erwähnten Shop erwerben.

    Vom Umgang mit Sprache

    Weiter geht es in den nächsten Raum. Hier ist alles schwarz-weiß, denn es geht um die Sprache und den Aufbau von Comics. Der Besucher erfährt, wie sich Sprech- und Denkblasen unterscheiden, was Soundwords (Zong, Boing, Kracks usw.) sind und was es sonst noch braucht. Hier gibt es auch einen Wortgenerator, mit dem man herrliche Neukreationen zusammenschieben kann. Es gibt eine Wand, an der man Donald verschiedene Gesichtsausdrücke zusammenbauen kann, und zwei kleine interaktive Kammern, in denen man sein Comic-Übersetzungstalent prüfen kann. Außerdem befinden sich hier einige Exponate aus dem Besitz von Erika Fuchs, wie originale Übersetzungsdokumente, ihr Notizbuch und ihre Schreibmaschine.

    Den Bereich der Dauerausstellung beendet ein Raum, in dem Branchenkollegen eine Hommage an Erika Fuchs gestaltet haben. Karikaturisten und Cartoonisten haben sich Gedanken um ihr Leben gemacht und man findet hier unter anderem einen Comic über einen fiktiven Ehestreit im Hause Fuchs. Ausschließlich mit Soundwords.

    Hier schließt sich dann die Bibliothek an. Neben Vitrinen mit Micky-Maus-Devotionalien finden sich raumhohe Regale mit Comics, Graphic Novels und Büchern zum Thema. Hier könnte man sehr gemütliche Stunden verbringen. Ich lese meine Lustigen Taschenbücher aber lieber zu Hause auf dem heimischen Sofa.

    Im unteren Bereich gibt es noch eine Fläche für Sonderausstellungen. Zum Zeitpunkt meines Besuchs waren es zwei: eine zum Gehirn (schön kindgerecht) und eine über Superhelden wie Superman, Batman, Wonder Woman und Co. (eher was für Erwachsene).

    Mein Fazit: Ich hatte Spaß. Die kleine, aber feine Ausstellung ist liebevoll gemacht und wird gepflegt. Die Exponate befinden sich in einem sehr guten Zustand, was bei interaktiven Ausstellungen nicht immer der Fall ist. Mit mir waren nur wenige Menschen da und die waren fast alle erwachsen. Der Besuch als Familie ist aber (aus meiner Sicht) unbedingt zu empfehlen.


    Tipps:

    • Auf der Webseite des Erika-Fuchs-Hauses findet man alle nötigen Informationen zu Anfahrt, Eintritt und den Ausstellungen sehr übersichtlich dargestellt.
    • Informationen zu Erika Fuchs und ihrem Leben findet man bei Wikipedia.
    • Wer sich mehr mit Donald und Co. beschäftigen möchte, dem sei die Webseite von D.O.N.A.L.D. empfohlen.
    • In einer guten Stunde ist man durch. Man sollte aber noch etwas Zeit für den Shop einplanen und sehr resistent gegen seine Verlockungen sein.

    Eindrücke