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  • Wenn Engel reisen…

    Wenn Engel reisen…

    Besucht am 06. September 2025

    Es gibt Ausflüge, für die man früh aufstehen muss – doch oft wird man dafür mit einer großartigen Morgenstimmung belohnt. So erging es mir vor Kurzem, als ich mit Freunden eine Tagesdampferfahrt mit der Primus-Linie von Wiesbaden nach Heidelberg unternahm. Die Abfahrt war für 08:30 Uhr am Biebricher Schloss geplant. Um einen guten Platz an Bord zu ergattern, war ich bereits um 07:45 Uhr am Anleger.

    Der Rhein begrüßte mich mit Sonnenschein und lag fast spiegelglatt in seinem Bett. Innerhalb weniger Minuten legte sich jedoch der Morgennebel wie eine Decke über das Wasser und zauberte eine märchenhafte Atmosphäre. Während die Sonne vergeblich versuchte, den Schleier zu durchbrechen, tauchten Frachtschiffe gespenstisch aus dem Grau auf. Ich konnte Bilder ohne Filter machen, um die mich später viele beneideten – Caspar David Friedrich hätte hier wohl Pate stehen können. Mit anderen Worten: Der Tag begann äußerst vielversprechend.

    Idyllische Natur und große Pötte

    Und er hielt, was er versprach. Das Wetter entwickelte sich zum schönsten Tag der Woche. In Mainz stiegen weitere Passagiere zu, während wir die Silhouette der Stadt bewunderten. Noch interessanter war jedoch der Anblick der zahlreichen Flusskreuzfahrtschiffe. Um mich herum begannen viele Gäste bereits mit der Planung ihres nächsten Urlaubs. Welche Vielfalt an Kreuzfahrtschiffen und Reedereien es gibt, sollten wir in den kommenden Stunden noch erfahren: Gefühlt war jedes dritte entgegenkommende Schiff kein Frachter, sondern ein schwimmendes Hotel.

    Flusskreuzfahrtschiff vor Mainz

    Weiter ging die Fahrt den Rhein hinauf, vorbei an den Weinbergen Rheinhessens. Pettenthal, Rehbach, Hipping … und dazwischen windet sich der Weinwanderweg „Roter Hang“. Einen Teil davon, die Drei-Türme-Wanderung, bin ich selbst schon gewandert und kann sie nur empfehlen. Mit netten Menschen und einem gut gefüllten Rucksack genießt man dort nicht nur die Bewegung, sondern vor allem die Pausen mit fantastischen Ausblicken.

    Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt

    Zwischenzeitlich wurde uns an Bord ein „Seemannsfrühstück“ serviert: Brot, Schinken, Spiegelei und Gewürzgurken. Zugegeben, die Bordküche ist nichts für strikt Gesundheitsbewusste, aber daran schien sich niemand zu stören. Währenddessen wandelte sich die Aussicht: Die Rebhänge wichen flachen Landschaften, und am Ufer badeten und paddelten Familien zwischen den Buhnen. Angler suchten ihr Glück am Haken, stets beobachtet von Reihern, die nur darauf warteten, im richtigen Moment einen Fang abzujagen.

    Angler am Rhein

    Weiter südlich kam das Kernkraftwerk Biblis in Sicht. Der durchaus beeindruckende Bau lieferte zwischen 1974 und 2011 Strom (ab 1976 auch nuklearen).  Heute dient er als Lager für Atommüll und Castor-Behälter und beschäftigt weiterhin Gerichte sowie Umweltschützer. Bei Mannheim passierten wir schließlich riesige Industrieanlagen; die BASF unterhält hier einen gewaltigen Komplex mit eigenem Rheinhafen. Der Anblick ist schon bei Tageslicht ehrfurchteinflößend. Man stelle sich das Areal am Abend vor – der Theatermensch in mir sieht sofort ein Meer aus Scheinwerfern und farbigen Lichteffekten vor dem geistigen Auge.

    BASF Werk bei Mannheim

    Schleusengang auf dem Neckar

    Kurz darauf erreichten wir die Neckarspitze, wo unser Dampfer den Rhein verließ. Einer der Höhepunkte kam nun in Sicht: die Neckarschleuse Feudenheim. Eine der zwei Schleusen, durch den uns unsere Fahrt führen sollte. Zusammen mit einem Binnenfrachter, den wir kurz zuvor überholt hatten, und einem Sportboot wurden wir durch Wasserkraft zehn Meter in die Höhe gehoben. Eine technische Meisterleistung und ein Schauspiel, das mich immer wieder beeindruckt.

    Danach ging es weiter auf dem Neckarkanal, bis wir bei Ladenburg schließlich den ursprünglichen Lauf des Neckars erreichten. Hier führt die Fahrt durch unberührte Natur. Schwäne, Reiher und Nilgänse begleiteten uns – Idylle pur bei herrlichem Wetter. „Wenn Engel reisen …“, entfuhr es einem meiner Freunde.

    Schleuse auf dem Neckar bei Schwabenheim

    Heidelberg: Wunderschön, aber gut besucht

    Nach der zweiten Schleuse bei Schwabenheim, die uns weitere acht Meter anhob, war es nur noch ein kurzes Stück bis zum Ziel. Als das berühmte Heidelberg Schloss in Sicht kam, reckten alle Passagiere die Hälse. Jeder wollte das perfekte Foto machen, und auch die unvermeidlichen Selfies durften nicht fehlen (ich schließe mich da keineswegs aus).

    Die Stadt glitt langsam an uns vorbei und offenbarte bereits die ersten Menschenmassen. Am Anleger verließen wir die Ruhe des Schiffs und tauchten ein in die belebten Gassen. Junggesellinnenabschiede, Heerscharen von Studenten und Touristen drängten sich durch die Innenstadt. Da an diesem Abend die berühmte Schlossbeleuchtung stattfand, herrschte bereits Verkehrschaos mit gesperrten Brücken. Wir brachen unseren Spaziergang daher vorzeitig ab und suchten uns ein ruhiges Café in der Nähe des Bushalteplatzes von dem unsere Busse und wieder nach Mainz und Wiesbaden bringen sollten.

    Selfie vor dem Heidelberger Schloss

    Gegen 21:30 Uhr erreichten wir nach einer guten Stunde Busfahrt wieder den Anleger in Biebrich. Der Bus nach Mainz, der eigentlich vor uns gestartet war, steckte noch im Heidelberger Stadtverkehr fest und erreichte sein Ziel erst deutlich später.


    Tipps & Fakten

    Zugegeben, diese „KulTour“ war vielleicht weniger informativ als andere, dafür aber umso schöner. Hier noch ein paar Fakten für Interessierte:

    • Primus-Linie: Das Unternehmen wurde bereits 1880 gegründet und wird heute in der 3. Generation von der Familie Nauheimer geführt. Die Flotte besteht aus 5 modernen Schiffen (u. a. die MS Nautilus und die MS Wikinger). Neben den Frankfurter Stadtrundfahrten und Fahrten in den Rheingau wird die Heidelberg-Fahrt auch 2026 wieder im Juli und September angeboten (Preis: 52,00 €). Weitere Informationen findet Ihr hier
    • Der Rhein: „Vater Rhein“ entspringt im Schweizer Kanton Graubünden und ist einer der verkehrsreichsten Wasserwege der Welt. Er fließt auf 1.233 Kilometern durch bzw. entlang von 6 Staaten (Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und die Niederlande). Hinweis: Luxemburg und Belgien liegen zwar im Einzugsgebiet, der Rhein selbst fließt aber nicht direkt hindurch.
  • Ein Haus, wie ein englischer Landschaftspark…nur moderner

    Ein Haus, wie ein englischer Landschaftspark…nur moderner

    Das Museum Reinhard Ernst

    Besucht am 24.05.2025

    Wer in Wiesbaden an der Kreuzung Rheinstrasse/ Wilhelmstrasse/ Friedrich-Ebert-Allee steht kann hier einen schönen Überblick über Baugeschichte sehen. Da sind zum einen die Jugendstilhäuser mit ihren wunderschönen Steinelementen und Bildern. Da ist das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur mit seinen Säulengängen, der Kuppel und der markanten Freitreppe. Im Innern unter anderem mit einer beeindruckenden Jugendstilsammlung, aber auch Alten Meistern und modernen Werken (s. Artikel „Kunst und Kuchen“ von Dezember 2019). Dann steht dem gegenüber das Rhein Main CongressCenter (RMCC), welches 2018 anstelle der alten Kongresshallen eröffnet wurde und mit seiner Fassade aus hohen Fenstern, gelben Sandstein und der beeindruckenden Treppe auffällt. Und da ist der „Zuckerwürfel“.

    Offene Räume

    Das Museum Reinhard Ernst wurde 2024 mit einem Jahr Verspätung geöffnet und ist ein Werk des Japanischen Architekten Fumihiko Maki, der leider kurz vor der Eröffnung verstarb. Der Industrielle Reinhard Ernst und seine Frau haben dieses Museum der Stadt Wiesbaden geschenkt und präsentieren darin Werke ihrer gut 960 Teile Umfassenden Privatsammlung moderner Kunst. Dafür wurde eigens eine Stiftung gegründet. Die Sammlung ist an den Vormittagen ausschließlich Schulen und Bildungseinrichtungen vorbehalten und Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Ziel ist es, Kunst allen zugänglich zu machen, weshalb das Foyer auch öffentlich ist. Auch hier befinden sich schon Kunstwerke.

    Weisse Schlichtheit

    Der Bau selbst besticht durch seine scheinbare Schlichtheit. Bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich aber als sehr ausgeklügelt und erstaunt immer wieder beim Durchwandern mit neuen Blickwinkeln und unterschiedlichsten Räumen. So ergeben sich immer neue Sichtweisen auf die ausgestellten Kunstwerke. Ähnlich wie in einem englischen Landschaftsgarten, wo sich mit jedem Positionswechsel eine neue Sichtachse auftut, kann man hier beim Durchschreiten des Gebäudes immer neue Perspektiven erleben. Dazu tragen auch die sehr unterschiedlichen einzelnen Ausstellungsräume bei. So findet man zum Beispiel im 1. Stock einen Raum, der eine komplette Glaswand zum Treppenhaus hat (wobei Treppenhaus hier nicht der richtige Begriff ist, denn das ganze Haus ist offen gestaltet und daher gibt es an dieser Stelle gar kein Treppenhaus im klassischen Sinne). Dadurch hat es die leichte Anmutung eines Aquariums. Zum Zeitpunkt meines Besuchs befanden sich in diesem Raum konsequenterweise Bilder zum Thema „Moby Dick“.

    Die Ausstellungen wechseln regelmäßig. So wird man im Laufe der Zeit die komplette Sammlung zu sehen bekommen. Sicher ist moderne Kunst nicht jedermanns Sache. Ich kann mich auch mit vielem nicht anfreunden. Aber ich bin neugierig und entdecke gerne. Ich kann nur empfehlen einfach mal völlig erwartungslos in eine solche Sammlung zu gehen. Betreten Sie einen Raum und lassen ihn auf sich wirken. Sie werden merken, irgendein Stück zieht Sie an, irritiert vielleicht, macht neugierig. Zu diesem gehen Sie hin und lassen Ihrer Fantasie freien Lauf. Was sehen Sie? Eine Landschaft? Personen? Pferde im Galopp? Eine menschliche Gestalt? Was lösen die Farben in Ihnen aus? Freude? Angst? Unwohlsein? Sehnsucht?… Ganz egal. Meiner Meinung nach kann man nie falsch liegen. Kunst soll die Sinne und die Gefühle ansprechen. Sicher kann man sich die Frage stellen, was einem der Künstler damit sagen wollte. Aber man muss es nicht. Ganz zum Schluss können Sie sich den Titel des Werkes anschauen. Vielleicht ist dieser für Sie vollkommen logisch, weil Sie genau das entdeckt haben. Vielleicht ist aber auch der Titel völlig abstrakt. Eigentlich spielt es keine Rolle. Sie haben Kunst „erfühlt“ und darum geht es. Sie haben sich auf etwas Neues eingelassen. Probieren Sie es einmal aus. Sie werden überrascht sein. Und dann treten Sie wieder hinaus auf die Wilhelmstrasse mit ihren schönen alten Häusern und den Bäumen rechts und links und entdecken die Realität neu.

  • Entdeckungstour in der Wiesbadener Innenstadt

    Entdeckungstour in der Wiesbadener Innenstadt

    Manchmal muss man gewohnte Pfade einfach mit einem anderen Blick betreten. Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon durch die Wiesbadener Innenstadt gegangen bin ohne die ganzen Details wahrzunehmen. Es gibt so schöne Häuser oder Details am Boden, die einem beim normalen Durchhetzen gar nicht auffallen.

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