Kategorie: Hessen

  • Ein Spaziergang – der Wiesbadener Nordfriedhof

    Ein Spaziergang – der Wiesbadener Nordfriedhof

    Im Wandel

    Friedhöfe haben im Laufe der Jahrhunderte eine große Wandlung durchgemacht: von reinen Begräbnisstätten hin zum Park und Naherholungsgebiet. Zudem wurden sie aufgrund ihres oft morbiden Charmes als Orte des Horrors verunglimpft (eine ganze Filmindustrie lebt von Horror-B-Movies). Sicherlich hat dazu auch die sizilianische Begräbnistradition, die Toten in offenen „Regalfächern“ aufzubewahren, beigetragen. Heute wird das zwar nicht mehr so gemacht, aber in den Kirchen in Palermo konnte ich noch die Nischen besichtigen, und das Kapuzinerkloster verfügt mit der Kapuzinergruft über eine beeindruckende Begräbnisstätte, in der man diese Tradition noch gut betrachten kann. Selbstverständlich mit dem nötigen Respekt, allerdings auch mit einem gewissen Schauer.

    Hier in Deutschland haben wir diese Tradition nicht und viele Friedhöfe sind heute wunderschöne Orte zum Spazierengehen – und zum Kulturerleben. Ich persönlich gehe gerne über Friedhöfe. In München habe ich einmal während eines Gastspiels den Weg zum Hotel über einen Friedhof abgekürzt und stand plötzlich vor dem Grab von Paul Spitzweg.

    Geschichte und Geschichten

    Grabmäler spiegeln Kulturgeschichte und Begräbniskultur wider. Da findet sich von schlichter Moderne über zarten Jugendstil bis zur Pseudorenaissance fast jede Kunstform. Und man sollte sich die Zeit nehmen, einige Inschriften auf den Grabsteinen zu lesen. Die Geschichten von Leben, Heirat und Tod, die man dort erahnen kann, sind durchaus spannend.

    Der 1877 geweihte Wiesbadener Nordfriedhof bietet dazu viele Gelegenheiten. Immer wieder erscheinen hinter Büschen neue kunstvolle Gräber. Aber auch der Verfall hat einen reizvoll morbiden Charme. Und wer mag, kann sich an den Vögeln und Eichhörnchen erfreuen. Auf einer Fläche von 14,5 Hektar wurden bisher ungefähr 85.000 Personen beigesetzt. Geprägt sind die Grabstätten vorwiegend von der wilhelminischen Ära. Historismus und Jugendstil sind die am häufigsten vertretenen Stile.

    Ein guter Plan hilft – irgendwie

    Schon beim Betreten des Friedhofsgeländes merke ich, dass man hier auf „touristische“ Besucher eingestellt ist. Kaum schaue ich auf meinen Lageplan, da begrüßt mich auch schon ein sehr freundlicher Mitarbeiter der Grünpflege und bietet seine Hilfe an. Ich habe aber einen Plan dabei, den ich mir vorab im Internet heruntergeladen habe. Dieser nennt sich „Engelspaziergang“, ist aber leider nicht genau genug, um die einzelnen Engelsfiguren auch gut finden zu können. Aber es lohnt sich, einfach durch die Gänge zu spazieren und sie selbst zu entdecken. Hier ist der Weg das Ziel und die Entdeckungen am Rande sind ein zusätzlicher Gewinn. Und die Blickachsen, die sich dadurch ergeben, sind schon allein einen Besuch wert.

    Man kann sich auch einfach treiben lassen und die schönen Wege genießen. Das habe ich bei weiteren Besuchen bisher immer gemacht. Egal zu welcher Jahreszeit, immer findet man hier Ruhe und entdeckt wieder einen neuen Blickfang. Eine Grabstelle, die man bisher nicht beachtet hat, oder weiteren Verfall. Auch eine neue Blickachse, da mittlerweile ein Baum oder Busch zurückgeschnitten wurde oder einem Sturm zum Opfer fiel. Manchmal findet man auch eine frisch restaurierte Grabstelle, die wieder in alter Pracht erstrahlt. Seit 2001 kümmert sich die Bernhard-von-Wiesen-Stiftung um die Konservierung und Restauration der historischen Grabdenkmäler.

    Andererseits kann man sich aber auch einfach nur bei schönem Wetter auf eine Bank setzen und den Vögeln und Eichhörnchen zuschauen. Wenn man Glück hat, kommen die Eichhörnchen auch ganz nah, in der Hoffnung auf eine „zufällig“ herabfallende Nuss.

    Wenn man wie ich immer wieder auf den Friedhof geht, dann hat man auch seine Lieblingsecken. In meinem Fall ist das der jüdische Friedhof Platter Straße am nördlichen Rand des Friedhofs. Nach jüdischer Tradition dürfen die Gräber nicht nach einer Ablaufzeit eingeebnet werden, und so findet man hier nicht nur neue Gräber, sondern auch sehr alte und verwitterte. Es herrscht eine friedliche Ruhe. Männer müssen hier allerdings eine Kopfbedeckung aufsetzen. Gerne würde man mehr über einige Schicksale erfahren.

    Vergangenheit und Zukunft

    Bei meinem ersten Besuch ist mir etwas auf den Grabsteinen aufgefallen. Auf einigen befindet sich ein Bild zweier Hände. Diese Hände erinnern an den Gruß, den der Vulkanier Mr. Spock in der Serie STAR TREK macht („Live long and prosper“). Und tatsächlich gibt es da einen Zusammenhang. Leonard Nimoy war jüdischer Abstammung und brachte diesen Gruß ein. Die Hände weisen auf die aaronitische Priesterschaft hin, die in meist männlicher Linie weitergegeben wird. Die Hände formen den hebräischen Buchstaben Schin. Dieser steht für den Gottesnamen Schaddai (der Allmächtige) und die Priester sprachen mit diesem Handzeichen in der Synagoge den aaronitischen Segen. Auch in der modernen Popkultur und einer solchen Serie stecken also viele interessante Details.

    Es gibt auch noch einen zweiten jüdischen Friedhof. Diesen findet man am Hellkundweg, östlich am Nordfriedhof. Dieser gehörte zur Alt-Israelitischen Gemeinde und wurde 1877 von orthodoxen Juden angelegt, denen die liberale Entwicklung der jüdischen Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts zu weit ging. Die letzte Beisetzung fand hier 1942 statt.


    Tipps:

    • Wer die Ruhe und die Schönheit von Friedhöfen erleben möchte, kann dies allein während der Öffnungszeiten tun oder sich zu einer Führung anmelden. Weitere Informationen gibt es hier
    • Auch die Wikipedia-Seite des Nordfriedhofs liefert viele interessante Informationen, unter anderemzu den beiden Jüdischen Friedhöfen.
    • Auf der Seite https://juedische-geschichte-wiesbaden.de/ findet man Projekte der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden.

  • Die spinnen, die Römer? – Das Römerkastell Saalburg

    Die spinnen, die Römer? – Das Römerkastell Saalburg

    Besucht am 04.10.2026

    In der Grundschule hatte ich eine richtig engagierte Lehrerin, die mir Geschichte nahebrachte. Ihr Name war Frau Klier. Sie hat mein Geschichtsinteresse geweckt und unterstützt. Ich habe noch immer ein paar Zeitschriften zur Geschichte, die sie mir damals geschenkt hat. Eine ziemlich lange Zeit hatte ich sogar den Wunsch, Archäologie zu studieren. Daraus wurde dann zwar nichts, aber bis heute lese ich recht viel über alle möglichen geschichtlichen Themen.

    Ganz besonders fasziniert haben mich die antiken Ereignisse. Egal ob Athen, Sparta, Ägypten, Rom – ich finde das alles spannend. Und da ich nunmehr seit 10 Jahren in direkter Nachbarschaft zum Limes wohne, war es an der Zeit, einmal das Römerkastell Saalburg in Bad Homburg vor der Höhe zu besuchen.

    Zur richtigen Zeit

    Am Tag meines Besuchs wurde gerade ein neuer Teil der Ausstellung eröffnet. In den rekonstruierten Baracken kann man jetzt eine Mannschaftsstube (Contubernium) anschauen und sehen, auf welch beengtem Raum die römischen Soldaten lebten. Und auch, dass sie offensichtlich ziemlich klein waren. Für uns wirken die Betten (4 Etagenbetten für insgesamt 8 Soldaten) wie Kinderbetten. Wenn man sich dann überlegt, dass sich die römischen Soldaten für 25 Jahre verpflichteten, fühlt man sich heutzutage irgendwie verweichlicht.

    Die 25-jährige Verpflichtung hatte aber auch enorme Vorteile. In der Regel waren die Soldaten keine Römer, sondern kamen aus allen Teilen des Reiches. Einzig der Kommandant war Römer. In der Saalburg waren hauptsächlich britannische und hispanische Soldaten stationiert. Nach vollendeter Dienstzeit konnten die Soldaten dann römische Bürger werden – mit den dazugehörigen Rechten.

    Abenteuerlicher Parkplatz und Wochenendlegionäre

    Die Anreise zur Saalburg ist mit dem Auto ziemlich unkompliziert, da es eine gute Ausschilderung gibt. Allerdings ist die Parkplatzsituation vor Ort nicht so toll. Obwohl es ein ausgewiesener Parkplatz ist, hat er doch mehr von „Wildparken“ und es empfiehlt sich, schon früh da zu sein. Immer sonntags gibt es um 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr Führungen, die etwa 50 Minuten dauern. Dabei sind die um 13:00 und 15:00 Uhr als getrennte Führungen für Erwachsene und Kinder geplant. Aufgrund der Eröffnung der Stube fanden an dem Tag stündlich Führungen statt und es gab auch viele Highlights für Kinder. So waren an dem Tag die „Wochenendlegionäre“ da und haben vorgeführt, wie man früher gedrechselt hat und wie man mit dem Kurzschwert kämpfte. Zudem gab es kleine Wagenrennen (hier zog dann Papa den Wagen, in dem das Kind sich als Wagenlenker à la Ben Hur fühlen konnte). Ganz offensichtlich machte das riesigen Spaß.

    Wer fragt hat Glück

    Schon am Parkplatz sieht man die ersten Überreste. Dabei handelt es sich um die Ausgrabungen des zum Kastell gehörigen Dorfes. Hier wohnten die Familien, boten Händler ihre Waren feil und es gab ein Badehaus für alle. Durch zwei rekonstruierte Dorfgebäude betritt man dann das eigentliche Kastellgelände und schreitet auf das Haupttor zu. Dieses wird bewacht von einer Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius (* 19. September 86 bei Lanuvium; † 7. März 161 ebenda). Schreitet man durch das Tor, blickt man direkt links auf das Haus des Kommandanten (Praetorium). Hier befindet sich heute die Museumsleitung und die Bibliothek. Es ist nicht öffentlich zugänglich, kann aber bei bestimmten Führungen besichtigt werden. Die Führung, an der ich teilnahm, bot dies leider nicht, aber auf freundliche Nachfrage konnte ich doch kurz rein und den schönen und ruhigen Innenhof mit seinem mosaikgeschmückten Wasserbecken (leider gerade ohne Wasser) bewundern.

    Direkt gegenüber dem Haupttor befindet sich die Principia, das Hauptgebäude des Kastells. Darin findet der Besucher Ausstellungen zu den Fundstücken der Gegend. Das berühmteste und beeindruckendste Ausstellungsstück ist hier der Pferdekopf aus Waldgirmes – ein Fragment einer vergoldeten Bronzestatue, die vermutlich Kaiser Augustus zeigte und auf dem Marktplatz der römischen Siedlung Waldgirmes stand.

    Die große Halle diente als Trainingshalle. Hier stehen zwei mobile Holzpfosten (neu), die Spuren von Schwertkampfübungen zeigen. Im Innenhof kann man zwei der insgesamt über 90 entdeckten Brunnen finden. Warum so viele? Immer wenn einer versiegte, grub man einen neuen. Und so kamen im Laufe der Zeit (das Kastell bestand vom Anfang des 2. Jh. n. Chr. bis etwa 275 n. Chr.) so viele Brunnen zustande. Bei ungefähr 600 stationierten Soldaten und nochmal etwa 1.200 Dorfbewohnern waren diese auch nötig. Wenn die Brunnen versiegt waren, wurden sie in der Regel als Müllgruben genutzt – ein Umstand, der heute der Archäologie sehr hilft. Nichts gibt mehr Aufschluss über das Leben und die Menschen als der anfallende Müll. Vielleicht sollten wir darüber heute öfter nachdenken.

    Die Antike war bunt

    Ebenfalls im Hauptteil befindet sich die Waffenkammer. Hier findet man heute eine Ausstellung zur Waffentechnik der Römer und zu den Limestürmen. Das besondere Ausstellungsstück ist hier ein Schaukasten, in dem ein römisches Heer mit Playmobil-Legionären aufgebaut ist. Hier kann man sich genau anschauen, wie die Aufstellung und Aufteilung aussahen. Dieses Exponat dürfte Erwachsene wie Kinder gleichermaßen erfreuen.

    Geht man weiter, findet man einen Ausstellungsraum mit Weg- und Grabsteinen aus römischer Zeit und Erklärungen zum römischen Leben am Limes. Hier wird auch mit einem modernen Missverständnis aufgeräumt. Als das Kastell unter Kaiser Wilhelm II. ausgegraben und rekonstruiert wurde (1897–1907), nahm man an, dass für die Bauten normale Steine genutzt wurden und alles recht schmucklos war. Heute weiß man, dass die Antike knallbunt war (auch die Akropolis in Athen strahlte ursprünglich in allen bekannten Farben). Ein Grabstein verdeutlicht dies ganz besonders: Das gefundene Original und eine farblich rekonstruierte Kopie stehen hier direkt nebeneinander. Auch das gesamte Kastell war nicht so einheitlich naturfarben, wie es sich heute darstellt. Die Gebäude waren fast alle verputzt und bemalt. Heute kann man anhand der äußeren Gestaltung nachvollziehen, was aus der Zeit Wilhelms II. stammt und was nach neuestem archäologischem Wissensstand rekonstruiert wurde. Da mal genauer hinzuschauen, lohnt sich. Im Übrigen stellt der Wiederaufbau im Wesentlichen den Forschungsstand um 1900 dar. Heute weiß man nicht nur, dass die Häuser bunt bemalt waren, sondern auch, dass die Türme an den Toren höher waren und über drei Geschosse verfügten.

    Am Fahnenheiligtum kann man die reiche, farbige Ausstattung gut nachvollziehen. Hier befinden sich die Standarten der stationierten Legionen. Bei den ausgestellten Stücken handelt es sich um Rekonstruktionen aus der Zeit um 1900.

    Altes uns Neues – Rekonstruktionen

    Ein weiteres Highlight in diesem Komplex ist die Rekonstruktion des Tricliniums – das Speisezimmer aus Echzell. 1965 fand man beim Ausheben einer Baugrube Bruchstücke eines bemalten Wandverputzes. Insgesamt waren es etwa 10.000 Teile. Dieses gigantische Puzzle setzten Forscher wieder zusammen und ergänzten die fehlenden Stellen. Das plastische Ergebnis kann man hier bewundern.

    Durch ein Seitentor habe ich das Hauptgebäude dann verlassen und stieß direkt auf die Fabrica. Dieses innen sehr moderne Gebäude beinhaltet einen Veranstaltungsraum und ein kleines Kino, in dem man einen etwa 6-minütigen Film zum Kastell sehen kann (immer im Wechsel auf Englisch und Deutsch). Nur der Ton könnte etwas lauter sein. Aus der großen Halle lärmt es auch bei wenigen Besuchern ziemlich, und dadurch ist (auch bei geschlossener Tür) der Text schwer zu verstehen. Außerdem kann man in der Halle ausprobieren, wie sich die Soldaten in ihrer Freizeit beschäftigten. Es stehen verschiedene antike Spiele zur Verfügung, die man ausprobieren kann. Vom Lichthof aus (in dem verschiedene antike Porträtbüsten ausgestellt sind) gelangt man noch in rekonstruierte Werkstätten. Ein Schuhmacher, ein Beinschnitzer und eine Garküche werden hier mit ihrer Arbeit lebendig.

    Einmal im Kreis

    Ich habe mich dann entlang der Innenseite des Walls aufgemacht und bin einmal um das gesamte Kastell gelaufen. Insgesamt hatte es vier Tore, an denen auch Tafeln angebracht sind, auf denen Spender genannt sind. Diese hatten den Kaiser bei der Rekonstruktion des Kastells finanziell unterstützt. Stilgerecht sind diese Stiftertafeln natürlich in Latein geschrieben und ähneln damit Originalinschriften aus der Römerzeit.

    Am östlichen Wall befindet sich die Rekonstruktion eines römischen Ofens. Augenscheinlich wird damit auch tatsächlich von Zeit zu Zeit gebacken. Direkt daneben finden sich dann die ehemaligen Latrinen. Hier kann man noch sehen, wie fortschrittlich die Römer im Bezug auf das Abwasser waren. Man saß auf einem Brett mit entsprechenden Aussparungen nebeneinander (Scham im heutigen Sinne war damals kein Thema, denn die Latrinen dienten auch als Besprechungsorte). Unter dem Brett verlief ein kleiner Kanal, der mit Wasser gespeist wurde. Man hatte damals also schon eine Wasserspülung. Naheliegenderweise befand sich gleich gegenüber ein Badehaus. Hier kann man gleich noch Reste der Heizung entdecken. Detaillierter sieht man das auch in den Überresten der Herberge direkt vor dem Haupttor des Kastells. Hier gab es in einigen Zimmern eine Fußbodenheizung, deren Aufbau anschaulich erhalten ist.

    Der hintere Teil des Kastells ist weitestgehend eine freie Fläche. Vereinzelt kann man einige Überreste sehen und den Aufbau des Walls und der Verteidigungsanlagen genauer anschauen. Trotz der vielen Besucher an diesem Tag war es hier hinten recht ruhig und leer. Aufgrund der Flächengröße verläuft es sich angenehm. Das gilt im Übrigen für das gesamte Kastell. Man kam an alle Exponate gut heran und konnte auch ausreichend lange verweilen.

    Speisen wie die alten Römer

    Das galt allerdings nicht für das Museumsrestaurant Taberna. Hier hätte ich sehr gerne eines der römischen Gerichte probiert, aber es war einfach kein Platz mehr frei. Ich habe dann überlegt, wenigstens eine der römisch gewürzten Würste auf die Hand zu nehmen. Dazu muss man im Inneren an der Kasse bestellen und bekommt dann sein Essen. Wenn man sich dort anstellt, steht man aber automatisch dem Personal im Weg. Ich habe es dann gelassen.

    Auf dem Weg zurück zum Auto habe ich mir noch die Überreste der alten Herberge und des Badehauses genauer angesehen. Wenn man sich überlegt, wie viele Menschen hier lebten und wie klein die Gebäude sind, fragt man sich, wie die da alle Platz fanden.

    Noch eine Erklärung zum Namen Saalburg: Der klingt alles andere als römisch und ist auch ein neuzeitlicher Begriff. Leider ist an keiner Stelle ein römischer oder auch germanischer Name für das Kastell überliefert. Daher wurde der Begriff Saalburg gewählt. Dieser stammt vermutlich vom Wort „sala“ aus dem Althochdeutschen bzw. Fränkischen und bedeutet Saal, Herrenhof oder große Halle


    Tipps

    • Wie bereits erwähnt, lohnt es sich, früh zu kommen, da die Parkplätze begrenzt und eng sind. Alle Informationen zur Anfahrt, zu den Öffnungszeiten, Führungen und Sonderveranstaltungen findet man auf der Webseite der Saalburg.
    • Auch Wikipedia bietet wie immer einige Grundinformationen zur Saalburg und zum Limes
    • Zwischen Niedernhausen und Idstein befindet sich an der L3026 eine Rekonstruktion eines Limesturms. Dieser wird von Ehrenamtlichen betreut und ist sonntags zwischen 14:00 und 16:00 Uhr zu besichtigen. Im Winter finden keine Besichtigungen statt. Informationen dazu finden sich auf deren Webseite.

  • Der Tag des offenen Denkmals

    Der Tag des offenen Denkmals

    Mit offenen Augen durch die Welt

    In meinem kleinen Blog beschäftige ich mich mit kulturellen Ausflugszielen. Aber nicht jedes einzelne Ausflugsziel reicht für einen ganzen Beitrag. Daher habe ich den diesjährigen Tag des offenen Denkmals zum Anlass genommen, mal ein paar einzelne Sehenswürdigkeiten zu betrachten, die einem auf dem Weg begegnen.

    Nicht erst durch den Blog habe ich angefangen, mit offenen Augen durch die Gegend zu wandern, und ab und zu entdeckt man die eine oder andere kleine oder große Schönheit. Oder man betrachtet etwas Bekanntes mit neuen Augen. Ihr werdet in diesem Artikel auch auf Dinge stoßen, die ich entweder schon mal betrachtet habe oder in nächster Zeit genauer vorstellen werde.

    Zentralflughafen Tempelhof

    Zu letzteren gehört unzweifelhaft der Flughafen Tempelhof in Berlin. Ich kenne ihn noch als Militärflughafen der amerikanischen Alliierten in West-Berlin. Zu dieser Zeit hatte ich leider nie die Gelegenheit, die Abflughalle zu besichtigen. Per Zufall bot sich mir aber vor Längerem plötzlich eine Chance: Da ich noch etwas Zeit bis zu einer Verabredung hatte, habe ich die Gelegenheit genutzt.

    Heute ist der ehemalige Zentralflughafen nicht mehr in Betrieb. Aus der Rollbahn wurde wieder das Tempelhofer Feld (so hieß der Ort schon lange, bevor der Flughafen entstand), auf dem sich heute Berliner treffen, um ihre Freizeit zu verbringen.

    In den Hangars finden mittlerweile Opernaufführungen oder Konzerte statt, und das Gebäude kann man im Rahmen von Führungen erkunden – nicht nur am Tag des offenen Denkmals.

    Wunschziele

    Dieser findet übrigens seit 1993 immer am zweiten Sonntag im September statt. Organisiert wird das Ganze durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, und Ziel ist es, die Bedeutung des baukulturellen Erbes erlebbar zu machen. Dafür werden an diesem Tag vor allem Baudenkmäler geöffnet, die sonst nicht zugänglich sind. Dazu gehört z. B. auch das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege im Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg, direkt oberhalb des Wasserfalls. Eine sehr enge Freundin von mir hat zu Schulzeiten genau gegenüber gewohnt. Ich habe es jedoch leider bis heute nicht geschafft, dort mal reinzugehen, wenn es möglich ist. Das steht also noch auf meiner Wunschliste.

    Nun sollte man ja meinen, dass ein jährlich wiederkehrendes Datum gut zu merken ist und es kein Problem sein sollte, seine Ausflüge danach zu planen. Leider ist das ein typischer Fall von „Denkste“. Jedes Jahr stelle ich wenige Tage vorher (2016 genau zwei Tage davor) fest, dass es wieder soweit ist, und natürlich bin ich dann nicht mehr in der Lage, etwas Sinnvolles zu planen. Was dazu führt, dass ich leider ziemlich wenige meiner Wunschdenkmäler tatsächlich schon von innen besichtigen konnte. Die meisten kenne ich also nur von außen.

    Das Niederwalddenkmal

    Das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim kann man allerdings ohnehin nicht von innen besuchen, sondern nur von außen. Dafür hat man von dort einen herrlichen Überblick über den Rhein. Und den Aufstieg von Rüdesheim aus kann man sich auch recht angenehm machen: Statt zu laufen, kann man die Seilbahn nehmen und ganz entspannt über die Weinberge schweben. Als ich zuletzt dort war, war es allerdings weniger angenehm: Es regnete. Dann sind die offenen und schmalen Gondeln leider alles andere als gemütlich.

    Ein Café – aber nicht für jeden geeignet

    Eine ganz andere Art von Denkmal findet man nicht sehr oft in Berlin: das sogenannte „Café Achteck“. Gemeint ist damit ein Pissoir. Dessen gusseiserne Wände (meistens in Grün) sind so aufgestellt, dass sie ein Achteck ergeben. Daher der Name. Der Entwurf stammt vom Stadtbaurat Carl Theodor Rospatt aus dem Jahr 1878. 1920 gab es noch ungefähr 140 von diesen Pissoirs in ganz Berlin. Heute findet man noch einige im Berliner Stadtbild. Das auf dem Bild steht am Chamissoplatz in Berlin-Kreuzberg.

    Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

    Ebenfalls in Berlin steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Diese wurde in den Jahren 1891–1895 von Franz Schwechten im Stil der Neoromanik erbaut. Ihr Kirchturm war bis zu seiner Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg mit 113 Metern der damals höchste in Berlin. Nach dem Krieg hat man die Halbruine gesichert und als Mahnmal erhalten. In der Verfilmung des Kästner-Buchs EMIL UND DIE DETEKTIVE von 1954 treffen sich Emil und Gustav im oberen Geschoss der Halbruine. Dort kann man heute leider nicht mehr so ohne Weiteres hinaus. Aber man kann noch in die alte Vorhalle. Während Corona war hier auch ein Testzentrum untergebracht. Während ich dort auf meinen PCR-Test gewartet habe, konnte ich in aller Ruhe das Mosaik von Hermann Schaper bewundern. Ein echtes (West-)Berliner Wahrzeichen und von den Berlinern nur „Hohler Zahn“ genannt. Die Berliner geben ihren Wahrzeichen gerne Spitznamen. Neben der Halbruine stehen die Neubauten der Kirchengemeinde: der Gemeinderaum („Puderdose“ genannt) und der Glockenturm (oder auch „Lippenstift“). Dazu kann ich bei nächster Gelegenheit ebenfalls einen Artikel machen.

    Friedhöfe – Denkmäler in großer Zahl

    Von Kirchen ist es zu Friedhöfen nicht weit. Was dort an wunderschönen Denkmälern steht, habe ich Euch schon in meinem Artikel zum Frankfurter Hauptfriedhof gezeigt. Und es werden sicher in der Zukunft weitere Friedhöfe folgen. Zwei Beispiele seien hier stellvertretend genannt: ein Familienmausoleum auf dem städtischen Friedhof in Wunsiedel im Fichtelgebirge und ein besonders beeindruckendes Mahnmal auf dem jüdischen Teil des Offenbacher Friedhofs. Dieses Mahnmal entstand bei der Umbettung alter Gräber vom Alten auf den Neuen Friedhof. Die Verstorbenen wurden umgebettet und aus den alten Grabsteinen wurden zwei Türme errichtet.

    Moderne Esskultur als Denkmal

    Ein sehr schönes und lebendiges Denkmal steht in Bonn. Dort findet man das „Bundesbüdchen“. An dieser Wurstbude (die zwar original, aber nicht mehr am Originalstandort ist) aß schon Konrad Adenauer in der Mittagspause sein Würstchen.

    Das Haus des Rundfunks

    Zu guter Letzt kommen wir nochmal nach Berlin: ins Haus des Rundfunks an der Masurenallee. Wenn man in den Großen Sendesaal will, z. B. weil dort ein schönes Konzert stattfindet, durchquert man den großen Lichthof – ein eindrucksvolles Beispiel moderner Architektur der 1930er-Jahre. Im Haus gibt es auch noch einen funktionierenden Paternoster, den ich selbst schon mehrfach benutzen konnte. Für die allgemeine Öffentlichkeit ist er allerdings nicht mehr zugänglich, da die Sicherheitsregelungen es leider nicht mehr zulassen. Wie bei den meisten Paternostern, die heute noch existieren.

    Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig neugierig machen und dazu animieren, auch einmal mit offenen Augen durch die Gegend zu gehen – oder vielleicht im kommenden Jahr zum Tag des offenen Denkmals die eine oder andere Gelegenheit zum Besuch zu nutzen.


    Tipps

    Hier wie immer noch ein paar weiterführende Links:

    Unter dem Link https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/ findet ihr allgemeine Informationen und alle Termine zum Tag des offenen Denkmals. Es gibt auch eine gute Suchfunktion mit Karte.

    Zur Geschichte des Tags des offenen Denkmals findet ihr mehr auf der Wikipedia-Seite.

    Und zum Haus des Rundfunks gibt es auf der Seite von Visit Berlin auch einiges nachzulesen.


    Das Bundesbüdchen in Bonn
    Flughafen Tempelhof - Übergang zum Rollfeld
  • Von Staufern und Schneekugeln – Das Historische Museum in Frankfurt am Main

    Von Staufern und Schneekugeln – Das Historische Museum in Frankfurt am Main

    Frankfurt hat viele schöne Museen. Und da ich stolze Besitzerin einer Museumsufercard bin, besuche ich diese auch nach und nach. Manche sogar mehrfach, da man die Fülle der Exponate bei einem einzigen Besuch meistens gar nicht erfassen kann. Hinzu kommen spezielle Sonderausstellungen, die einzelne Themen genauer präsentieren.

    Eines dieser Museen ist das Historische Museum. Als ich 2016 ins Rhein-Main-Gebiet zog, war der Museumsneubau gerade DAS Thema. Ein Jahr später wurde er schließlich eröffnet. Trotzdem hat es noch eine Weile gedauert, bis ich endlich meinen Besuch dort in Angriff genommen habe. Und es gibt dort so viel zu sehen: Gute 800 Jahre Stadtgeschichte werden gezeigt – das muss man erst einmal verarbeiten. Oder halt mehrmals hingehen.

    Zur Geschichte des Museums

    Das Historische Museum wurde 1877/78 aufgrund einer bürgerschaftlichen Initiative gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Exponate an andere Museen verkauft und wechselten die Besitzer. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Gebäudes zerstört, und auch extra evakuierte Sammlungsstücke gingen verloren. Nach und nach wurden die zerstörten Gebäudeteile wie der Saalhof wieder aufgebaut und genutzt. In den 1970er-Jahren entstand ein Erweiterungsbau im damals typischen Brutalismus-Stil. Er war von Anfang an umstritten, und 2007 entschied man sich dafür, den Sichtbetonbau abzureißen und einen neuen Komplex zu errichten. Dieser wurde 2017 eröffnet und passt sich mit seiner Mainsandsteinfassade viel besser in das Bild der neuen Altstadt ein.

    Die Gebäude stehen in der Frankfurter Altstadt direkt zwischen dem Römer und dem Mainufer. Man kann sie also gar nicht verfehlen.

    Das von mir sehr geliebte Caricatura Museum gehörte früher auch zum Historischen Museum. Seit dem 1. April 2019 ist es eigenständig – was damals keineswegs ein Aprilscherz war. Zu den Ausstellungen dieses Museums der unerhörten Kunst (dem 2025 der Nachlass des unvergleichlichen Loriot vermacht wurde) werde ich auch noch einen eigenen Artikel widmen.

    Viele Besucher und trotzdem Platz

    Wie immer bin ich gleich zur morgendlichen Öffnung hingegangen. Und ich hatte nicht allein diese Idee. Lange warten musste ich aber trotzdem nicht. Das Personal ist eingespielt und freundlich, und die Ausstellungsfläche ist so groß, dass sich die Besucher schnell verteilen. Allein für die Dauerausstellung stehen rund 8.000 Quadratmeter zur Verfügung. Bei einem ersten Besuch sollte man sich entscheiden, ob man sich auf einen Teil beschränken möchte oder sich einfach mal einen Überblick verschafft. Da ich eher zu Letzterem neige und später lieber gezielt nochmal wiederkomme, habe ich mich einfach treiben lassen und Neues erforscht.

    Eines der ersten Exponate, die man erblickt, ist die Frankfurter Schneekugel. Sie zeigt auf Knopfdruck verschiedene Stadtansichten. Leider war sie gerade defekt. Trotzdem konnte man einen Blick ins Innere werfen und staunte, wie viel Platz der Unterbau einnimmt. Bei meinem nächsten Besuch wird sie hoffentlich auch mal von mir ausprobiert.

    Beim Treibenlassen durch das Gebäude fallen mir viele interessante Ausstellungsstücke auf. Da steht z. B. ein wunderschön bemaltes Klobecken. Blaue Blumen zieren nicht nur den Sockel, sondern auch das Innere der Schüssel. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass dieses Klo aus Oxford kommt, und ich frage mich, welcher Weg und welche Geschichte dahinterstecken. Mit grünen Blumen würde ich das Teil sogar in meinem eigenen Bad stehen haben wollen.

    Auch eine echte Frankfurter Küche aus dem Jahr 1927 findet sich hier – bis heute das Vorbild für eine praktische und platzsparende Küchenplanung. Viele der Ideen in dieser Küche sind heute noch genauso brauchbar, und das Design ist mittlerweile wieder voll im Trend. Da ich gerne einrichte, hätte ich große Lust, mir eine solche Küche nachzubauen. Vielleicht wird das irgendwann mal der Fall sein.

    So viele Sachen….

    Ich entdecke Bilder aus Frankfurter Salons und Alltagsgegenstände wie Pfeifen und Krüge. Dazwischen Spielzeug und Münzen. Auch ein goldenes Eine-Mark-Stück ist dabei. Dann stehe ich vor einer bunten Wand. Diese besteht aus vielen einzelnen Fächern, und in diesen Fächern befinden sich hinter einer Glasscheibe viele, viele Gegenstände: Bierdeckel, Trillerpfeifen, Tonbecher, Glasflaschen, Bücher, Brauchbares und Unbrauchbares, Schönes und Hässliches … ein ganzes Sammelsurium an Dingen, die an die Kramschublade erinnern, die doch jeder zu Hause hat.

    Das völlige Gegenteil – nämlich ein Beispiel für Ordnung und Klarheit – ist das originale Arbeitszimmer des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki. Auch das ist im Historischen Museum ausgestellt. Marcel Reich-Ranicki war in meinem Blog schon mal Thema, als ich den Frankfurter Hauptfriedhof besucht habe und an seinem Grab stand.

    Mein persönliches Lieblingsexponat

    Das für mich beeindruckendste Exponat befindet sich unterm Dach: Ein Modell der Stadt Frankfurt. Das klingt zuerst unspektakulär, ist es aber ganz und gar nicht. Es füllt einen ganzen Raum, und man kann zwischen den beiden Teilen rechts und links des Mains hindurchgehen. Die Brücken, die in der Realität den Main überspannen, befinden sich in luftiger Höhe über dem Betrachter. Und bei genauem Hinschauen fällt auf: Alle Gebäude sind aus Alltagsgegenständen gefertigt. Häuser aus Plastikschalen, Türme aus Radiergummis, Brücken aus Kleiderbügeln, Krankenhaustürme aus Spritzen usw. Es gibt so viel zu entdecken! Und dabei ist alles so genau gearbeitet, dass man jedes Gebäude genau erkennt. Mit jedem näheren Blick entdeckt man Neues. Einfach nur genial. Ich habe sogar das Inhalationsteil meines eigenen Asthmasprays entdeckt.

    Von ganz oben zog es mich dann nach ganz unten. Im Keller des Museums befinden sich noch einige Reste alter Gebäude aus der Stauferzeit. Man kann rund 800 Jahre alte Brunnen und Mauerreste bestaunen. Und es gibt sogar noch Teile eines alten Hafens aus dieser Zeit. Hier sind nicht nur steinerne Überreste vorhanden, sondern auch hölzerne. Der Erhaltungszustand ist deshalb so gut, weil bereits im 14. Jahrhundert bei einer Stadterweiterung dieser Hafen zugeschüttet wurde. Wiederentdeckt wurde das alles 2012 bei Bauarbeiten für das neue Museumsgebäude.

    Das Geheimnis der Zahlen

    Ja, und dann sind da noch die Garderobenschränke. Als ich anfangs meine Jacke in ein Schließfach getan hatte, fiel es mir erst gar nicht auf, aber beim Abholen meiner Sachen wurde ich stutzig: Die Zahlen an den Schließfächern machen auf den ersten Blick keinen Sinn. Bei genauerer Betrachtung aber schon: Sie sind nicht einfach mit 1-2-3-4-usw. beschriftet. Die Zahlen darauf sind Jahreszahlen! Auf der Innenseite der Türen kann man dann lesen, was in jenem Jahr in Frankfurt so passiert ist. Clever gemacht, kann ich da nur sagen. Die Idee gefällt mir gut.

    Alles in allem war der Besuch für mich sehr spannend und lehrreich. Ich habe bei Weitem nicht alles erfassen können und muss demnächst nochmal hin. In diesem Museum lohnt sich das richtig. Und mit der Architektur und den Sonderausstellungen habe ich mich noch gar nicht richtig beschäftigt. Es bleibt also noch viel zu entdecken.


    Tipps

    Für das Museum sollte man sich Zeit nehmen. Es gibt so viel zu sehen, dass man eventuell an zwei verschiedenen Tagen kommen sollte.

    Praktische Informationen wie Öffnungszeiten und die Anreise findet man auf der Webseite des Historischen Museums

    Auch der Wikipedia-Artikel ist sehr hilfreich, wenn man mehr wissen möchte.


  • Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach

    Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach

    Besucht am 08.08.2025

    Seit ich in Hessen wohne, gab es zwei Orte, die ich unbedingt besuchen wollte: die Saalburg und das Freilichtmuseum Hessenpark. Zumindest letzteren habe ich nach neun Jahren nun endlich betreten.

    Der richtige Zeitpunkt

    Als Besuchstag habe ich mir einen weitestgehend sonnigen Freitag in den Schulferien ausgesucht und dementsprechend mit einem großen Andrang gerechnet. Ich hatte mich geirrt. Es war relativ leer bzw. die Besucher verteilten sich auf dem weitläufigen Gelände. Das war aber auch ganz gut. So kam man in die naturgemäß engen historischen Gebäude gut hinein und die Besucher blockierten sich nicht gegenseitig. Leider gab es dadurch aber auch nur recht wenige Vorführungen. Man kann nicht alles haben. Die Vorführungen werden von Ehrenamtlichen gemacht, und die können nun mal nicht jeden Tag. Sehr interessant war aber der anwesende Seiler, der auf einer kleinen Reeperbahn das Handwerk zeigte und Kinder ihre eigenen Springseile herstellen ließ.

    Vom Haupteingang gelangt man nach ein paar Metern auf einen schönen, weitläufigen Marktplatz. Hier befinden sich diverse Geschäfte: eine Bäckerei mit Landbrot und herrlichen Blechkuchen, ein Laden mit Wurstwaren, Läden mit diversen Handwerksartikeln und auch ein Hotel, in dem man zudem übernachten kann. Alle befinden sich in historischen Häusern, die man vor dem Abbruch gerettet und von ihrem ursprünglichen Standort in das Freilichtmuseum umgesetzt hat. In einem Hinterhof fand gerade eine Hochzeitsfeier mit Live-Musik statt. Denn im historischen Standesamt kann man auch heiraten.

    Leidenschaft für Bücher

    Besonderes Interesse hatte ich an der Druckerei. Leider war sie an diesem Tag nicht besetzt und auch die kleine Ausstellung war nicht zugänglich, obwohl es sogar einen Handzettel gibt, der einem den Rundgang erklärt. Schade, denn als Enkelin eines Druckers und ehemalige Studentin der Bibliothekswissenschaften mit einer Vorliebe für alte Drucke wäre das mein Highlight gewesen.

    Ganz Hessen auf 65 Hektar

    Die ganze Anlage ist in verschiedene geographische Bereiche gegliedert. Neben dem bereits erwähnten Marktplatz gibt es noch die Baugruppen Nordhessen, Osthessen, Mittelhessen, Rhein-Main, Südhessen und Werkstätten. Man findet alles von alten Bauernhöfen über Schulen, Kirchen und Gutshäuser bis zu Werkstätten und Ställen. Einige Gebäude sind auch im Innern im Originalzustand, andere sind mit kleinen Ausstellungen „bewohnt“ und innen relativ modern. So befindet sich in einem Haus eine Ausstellung zur Motorradmarke Horex, die aus Bad Homburg stammt. Diese Motorräder kenne ich seit meiner Kindheit, da ich einen Onkel hatte, der im Horex-Club war und damit immer wieder Ausfahrten machte – gerne auch mit Beiwagen. Zudem findet man einen Bauerngarten, eine alte Gärtnerei und diverse Nutzflächen mit Tieren. Hierbei handelt es sich vorwiegend um alte Rassen wie das Deutsche Sattelschwein oder das Vogelsberger Höhenvieh.

    Immer Neues zu entdecken

    Das Freilichtmuseum Hessenpark wurde 1974 gegründet und befindet sich auf einer Fläche von 65 Hektar. Die Sammlung wird seit der Gründung ständig erweitert. Neue alte Häuser kommen dazu (aktuell waren auch einige Gebäude im Bau, darunter eine historische Tankstelle). Neben den Gebäuden gibt es auch über 200.000 Objekte des Alltagslebens. Dabei ist eine kleine Ausstellung, in der quasi frühes Upcycling betrieben wurde, besonders spannend. Da wurden dann z. B. aus nicht mehr gebrauchten Stahlhelmen Nudelsiebe. Not macht erfinderisch. Wenn man sich einmal alt fühlen möchte, muss man sich nur die Sammlung zur Telekommunikation ansehen. Die dort gezeigten Telefonmodelle wecken Erinnerungen. Neben diversen Telefonen findet man sogar einen originalen C64.

    Das Freilichtmuseum ist einen Ausflug wert. Besonders für Familien ist es zu empfehlen. Die Großeltern werden aus dem „Das habe ich damals auch benutzt“-Modus nicht mehr rauskommen. Die Eltern werden denken: „Haben wir das wirklich mal gebraucht?“, und die Kinder können vieles entdecken und oft sogar spielerisch erfahren. So macht Geschichte Spaß. Und zugegeben: So wurde ich schon als Kind an Geschichte herangeführt. Und wenn es allen zu viel ist, dann lässt man sich in der Baugruppe Nordhessen nieder, trinkt etwas und schaut den Kindern beim Spielen zu.



    Tipps

    Der Hessenpark hat eine sehr informative Webseite: https://www.hessenpark.de/

    Wenn man viel erleben will, ist man wahrscheinlich am Wochenende besser bedient, wenn die Vorführungen stattfinden. Wenn man lieber selbst in Ruhe erkundet, empfiehlt sich ein Wochentag außerhalb der Ferien.

    Die Geschäfte am Markt bieten schöne Leckereien wie Wurst, Brot und Kuchen. Das kann man gleich für das Abendessen einplanen. Man sollte allerdings gleich zu Beginn einkaufen und die Sachen mit sich führen, da sie sehr beliebt und daher schnell ausverkauft sind.