Frankfurt hat viele schöne Museen. Und da ich stolze Besitzerin einer Museumsufercard bin, besuche ich diese auch nach und nach. Manche sogar mehrfach, da man die Fülle der Exponate bei einem einzigen Besuch meistens gar nicht erfassen kann. Hinzu kommen spezielle Sonderausstellungen, die einzelne Themen genauer präsentieren.
Eines dieser Museen ist das Historische Museum. Als ich 2016 ins Rhein-Main-Gebiet zog, war der Museumsneubau gerade DAS Thema. Ein Jahr später wurde er schließlich eröffnet. Trotzdem hat es noch eine Weile gedauert, bis ich endlich meinen Besuch dort in Angriff genommen habe. Und es gibt dort so viel zu sehen: Gute 800 Jahre Stadtgeschichte werden gezeigt – das muss man erst einmal verarbeiten. Oder halt mehrmals hingehen.
Zur Geschichte des Museums
Das Historische Museum wurde 1877/78 aufgrund einer bürgerschaftlichen Initiative gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Exponate an andere Museen verkauft und wechselten die Besitzer. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Gebäudes zerstört, und auch extra evakuierte Sammlungsstücke gingen verloren. Nach und nach wurden die zerstörten Gebäudeteile wie der Saalhof wieder aufgebaut und genutzt. In den 1970er-Jahren entstand ein Erweiterungsbau im damals typischen Brutalismus-Stil. Er war von Anfang an umstritten, und 2007 entschied man sich dafür, den Sichtbetonbau abzureißen und einen neuen Komplex zu errichten. Dieser wurde 2017 eröffnet und passt sich mit seiner Mainsandsteinfassade viel besser in das Bild der neuen Altstadt ein.
Die Gebäude stehen in der Frankfurter Altstadt direkt zwischen dem Römer und dem Mainufer. Man kann sie also gar nicht verfehlen.
Das von mir sehr geliebte Caricatura Museum gehörte früher auch zum Historischen Museum. Seit dem 1. April 2019 ist es eigenständig – was damals keineswegs ein Aprilscherz war. Zu den Ausstellungen dieses Museums der unerhörten Kunst (dem 2025 der Nachlass des unvergleichlichen Loriot vermacht wurde) werde ich auch noch einen eigenen Artikel widmen.
Viele Besucher und trotzdem Platz
Wie immer bin ich gleich zur morgendlichen Öffnung hingegangen. Und ich hatte nicht allein diese Idee. Lange warten musste ich aber trotzdem nicht. Das Personal ist eingespielt und freundlich, und die Ausstellungsfläche ist so groß, dass sich die Besucher schnell verteilen. Allein für die Dauerausstellung stehen rund 8.000 Quadratmeter zur Verfügung. Bei einem ersten Besuch sollte man sich entscheiden, ob man sich auf einen Teil beschränken möchte oder sich einfach mal einen Überblick verschafft. Da ich eher zu Letzterem neige und später lieber gezielt nochmal wiederkomme, habe ich mich einfach treiben lassen und Neues erforscht.

Eines der ersten Exponate, die man erblickt, ist die Frankfurter Schneekugel. Sie zeigt auf Knopfdruck verschiedene Stadtansichten. Leider war sie gerade defekt. Trotzdem konnte man einen Blick ins Innere werfen und staunte, wie viel Platz der Unterbau einnimmt. Bei meinem nächsten Besuch wird sie hoffentlich auch mal von mir ausprobiert.
Beim Treibenlassen durch das Gebäude fallen mir viele interessante Ausstellungsstücke auf. Da steht z. B. ein wunderschön bemaltes Klobecken. Blaue Blumen zieren nicht nur den Sockel, sondern auch das Innere der Schüssel. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass dieses Klo aus Oxford kommt, und ich frage mich, welcher Weg und welche Geschichte dahinterstecken. Mit grünen Blumen würde ich das Teil sogar in meinem eigenen Bad stehen haben wollen.

Auch eine echte Frankfurter Küche aus dem Jahr 1927 findet sich hier – bis heute das Vorbild für eine praktische und platzsparende Küchenplanung. Viele der Ideen in dieser Küche sind heute noch genauso brauchbar, und das Design ist mittlerweile wieder voll im Trend. Da ich gerne einrichte, hätte ich große Lust, mir eine solche Küche nachzubauen. Vielleicht wird das irgendwann mal der Fall sein.
So viele Sachen….
Ich entdecke Bilder aus Frankfurter Salons und Alltagsgegenstände wie Pfeifen und Krüge. Dazwischen Spielzeug und Münzen. Auch ein goldenes Eine-Mark-Stück ist dabei. Dann stehe ich vor einer bunten Wand. Diese besteht aus vielen einzelnen Fächern, und in diesen Fächern befinden sich hinter einer Glasscheibe viele, viele Gegenstände: Bierdeckel, Trillerpfeifen, Tonbecher, Glasflaschen, Bücher, Brauchbares und Unbrauchbares, Schönes und Hässliches … ein ganzes Sammelsurium an Dingen, die an die Kramschublade erinnern, die doch jeder zu Hause hat.

Das völlige Gegenteil – nämlich ein Beispiel für Ordnung und Klarheit – ist das originale Arbeitszimmer des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki. Auch das ist im Historischen Museum ausgestellt. Marcel Reich-Ranicki war in meinem Blog schon mal Thema, als ich den Frankfurter Hauptfriedhof besucht habe und an seinem Grab stand.
Mein persönliches Lieblingsexponat
Das für mich beeindruckendste Exponat befindet sich unterm Dach: Ein Modell der Stadt Frankfurt. Das klingt zuerst unspektakulär, ist es aber ganz und gar nicht. Es füllt einen ganzen Raum, und man kann zwischen den beiden Teilen rechts und links des Mains hindurchgehen. Die Brücken, die in der Realität den Main überspannen, befinden sich in luftiger Höhe über dem Betrachter. Und bei genauem Hinschauen fällt auf: Alle Gebäude sind aus Alltagsgegenständen gefertigt. Häuser aus Plastikschalen, Türme aus Radiergummis, Brücken aus Kleiderbügeln, Krankenhaustürme aus Spritzen usw. Es gibt so viel zu entdecken! Und dabei ist alles so genau gearbeitet, dass man jedes Gebäude genau erkennt. Mit jedem näheren Blick entdeckt man Neues. Einfach nur genial. Ich habe sogar das Inhalationsteil meines eigenen Asthmasprays entdeckt.

Von ganz oben zog es mich dann nach ganz unten. Im Keller des Museums befinden sich noch einige Reste alter Gebäude aus der Stauferzeit. Man kann rund 800 Jahre alte Brunnen und Mauerreste bestaunen. Und es gibt sogar noch Teile eines alten Hafens aus dieser Zeit. Hier sind nicht nur steinerne Überreste vorhanden, sondern auch hölzerne. Der Erhaltungszustand ist deshalb so gut, weil bereits im 14. Jahrhundert bei einer Stadterweiterung dieser Hafen zugeschüttet wurde. Wiederentdeckt wurde das alles 2012 bei Bauarbeiten für das neue Museumsgebäude.

Das Geheimnis der Zahlen
Ja, und dann sind da noch die Garderobenschränke. Als ich anfangs meine Jacke in ein Schließfach getan hatte, fiel es mir erst gar nicht auf, aber beim Abholen meiner Sachen wurde ich stutzig: Die Zahlen an den Schließfächern machen auf den ersten Blick keinen Sinn. Bei genauerer Betrachtung aber schon: Sie sind nicht einfach mit 1-2-3-4-usw. beschriftet. Die Zahlen darauf sind Jahreszahlen! Auf der Innenseite der Türen kann man dann lesen, was in jenem Jahr in Frankfurt so passiert ist. Clever gemacht, kann ich da nur sagen. Die Idee gefällt mir gut.

Alles in allem war der Besuch für mich sehr spannend und lehrreich. Ich habe bei Weitem nicht alles erfassen können und muss demnächst nochmal hin. In diesem Museum lohnt sich das richtig. Und mit der Architektur und den Sonderausstellungen habe ich mich noch gar nicht richtig beschäftigt. Es bleibt also noch viel zu entdecken.
Tipps
Für das Museum sollte man sich Zeit nehmen. Es gibt so viel zu sehen, dass man eventuell an zwei verschiedenen Tagen kommen sollte.
Praktische Informationen wie Öffnungszeiten und die Anreise findet man auf der Webseite des Historischen Museums
Auch der Wikipedia-Artikel ist sehr hilfreich, wenn man mehr wissen möchte.











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