Manchmal muss man gewohnte Pfade einfach mit einem anderen Blick betreten. Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon durch die Wiesbadener Innenstadt gegangen bin ohne die ganzen Details wahrzunehmen. Es gibt so schöne Häuser oder Details am Boden, die einem beim normalen Durchhetzen gar nicht auffallen.
(mehr …)Kategorie: Allgemein
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Tagesausflug nach Marburg
Besucht am 07.08.2025
Seit Einführung des Deutschlandtickets ist die Verlockung groß, einfach mal einen Tagesausflug mit der Bahn zu machen. Da meine Urlaubsplanungen aus verschiedenen Gründen angepasst werden mussten, hatte ich mich spontan entschlossen, einen Tag nach Marburg zu fahren. Vorweg: ein lohnender, aber anstrengender Tag. Man sollte fit im Treppensteigen sein.
Mit der Bahn benötigt der Ausflügler von Niedernhausen aus knapp zwei Stunden und muss dabei auch nur einmal am Frankfurter Hauptbahnhof umsteigen. Ich hatte Glück und auf der Hinfahrt verlief alles reibungslos und der Zug war auch nicht allzu voll.
Angekommen in Marburg steht man auf einem ziemlich hellen aber trostlosen Platz. Direkt an diesem Platz befindet sich ein Lader der Touristeninformation und dort erhielt ich einen Stadtplan mit einer eingezeichneten Rundgangsroute und ein paar nützliche Tipps. (Gehen sie die Bahnhofstrasse bis zum ende Durch. Sie ist nicht sonderlich hübsch, aber auch nicht so lang. Danach wird es schöner.)
Zuerst erreicht man auf dem Weg in die Innenstadt die Elisabeth Kirche, benannt nach der Heiligen Elisabeth (Elisabeth von Thüringen), die sich 1228 Marburg als Witwensitz wählte und hier noch 3 Jahre lebte. Die Kirche wird aktuelle gerade restauriert, aber dank einer gemalten Abhängung kann man die Dimensionen erahnen. Besonders ins Auge fällt die Klais-Orgel von 2006, die einen reizvollen modernen Kontrast zum historischen Interieur bildet.

Verlässt man die Kirche gelangt man auch direkt auf die Spur einer weiteren Persönlichkeit, die in Marburg gewirkt hat: Emil von Behring, Hygieniker und Nobelpreisträger (1901 für Medizin). Den Schildern neben der Büste Behrings kann man entnehmen, dass sich hier einmal das Hygieneinstitut befand.
Weiter geht es in Richtung Oberstadt. Auf dem Weg dorthin fallen einem an der Wand ein paar künstlerisch gestaltete Köpfe auf. Ein Wolf und ein paar Geißen. Damit passieren wir eine Station des Grimm-Rundwegs. Denn auch die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm haben ihre Spuren in Marburg hinterlassen. Beide haben hier studiert. Und hier begannen sie auch die Sammlung ihrer „Kinder- und Hausmärchen“. Im gesamten Gebiet der Innenstadt finden sich an verschiedenen Orten teilweise interaktive Kunstwerke, die sich mit diesen Märchen beschäftigen. Der Rundgang auf den Spuren der Brüder Grimm nennt sich übrigens „Grimm-Dich-Pfad“. Ein aussichtsreicher Kandidat für das schlechteste Wortspiel…

Auf dem Grimm-Dich-Pfad: Der Wolf und die sieben Geislein
Treppen, Treppen, Treppen
Der weitere Weg führt direkt zum pittoresken Marktplatz. Auch hier eine wunderschöne Mischung aus historischen Gebäuden und moderner Kunst. Die Fliegen auf deiner Hauswand ziehen viele Blicke auf sich. Auf dem Platz herrscht beinahe mediterrane Atmosphäre. Die Menschen sitzen gemütlich draußen und genießen ein Eis oder einen Kaffee und alles strahlt eine gewisse Entspanntheit aus. Mit der Entspannung ist es aber aus, wenn man hinauf zum Schloss blickt. Hat man bis zum Marktplatz schon ein paar Höhenmeter überwunden, wird es jetzt erst richtig steil. Dabei lohnt es sich, die weniger breiten und offensichtlichen Wege (oder besser Treppen) zu nehmen. Hier entdeckt man wirkliche kleine Oasen.
Auf dem Weg Richtung Schloss kommt man an der Marienkirche vorbei. Die Lutherische Pfarrkirche liegt knapp unterhalb des Schlosses und der Blick hinein lohnt. Eine Besonderheit im Vorraum: hier befindet sich ein Fairteiler der Foodsharing-Community.

Über die Zwingli-Treppe gelangt man auf die Ritterstrasse und von hier über eine weitere Treppe (an deren Ende sich ein goldener Schuh befindet und auf deren Stufen ein Text von Jakob Grimm geschrieben steht) dann hoch auf das Schloss-Plateau. Von hier aus hat man einen ausgezeichneten Blick über Marburg und auf den Schiefen Turm der Stadt. Der Kirchturm der Marienkirche, mit dem man sich hier auf Augenhöhe befindet, zweigt eine sehr deutliche Neigung. Durch die Sonneneinstrahlung hat sich das Im Dach verbaute Holz stark verzogen und den Turm zum schiefen Wahrzeichen der Stadt gemacht.
Eine kleine Anekdote am Rande. Im Turm befinden sich einige Glocken, Zwei davon wurden 1925 bzw. 1951 durch die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn gegossen. Diese durfte ich als Preis eines Gewinnspiels von HR1 2021 mit Thomas Koschwitz besuchen und einmal erleben, wie Glocken gegossen werden. Ein sehr archaischer und beeindruckender Prozess, der erfahrene und sensible Handwerker erfordert.
Auf dem Schlossplateau befindet sich die Camera Obscura der physikalischen Fakultät der Universität Marburg. Zu bestimmten Zeiten kann man hier den Studenten über die Schulter schauen und staunen, was die Mittel der optischen Geräte schon früh geleistet haben. Das landgräfliche Schloss selbst beherbergt heute eine Ausstellung des Marburger Universitätsmuseums für Kunstgeschichte und im Fürstensaal finden Veranstaltungen statt (u.a. Theateraufführungen des Hessischen Landestheaters). Ein kleiner Spaziergang über die Anlage ist zu empfehlen – wenn man noch nicht genug von Treppen hat.
Apropos Treppen. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass es eine sogenannte „Asthma-Treppe“ gibt. Als Asthmatikerin hätte och die eigentlich besuchen sollen. Leider ist sie mir entgangen.

Der Weg hinunter führte mich an der katholischen Kugelkirche vorbei. Diese ist der jüngste Sakralbau Marburgs, wobei „jung“ hier sehr relativ ist. Sie wurden zwischen 1492 und 1520 erbaut und gehört zum ehemaligen Kloster der Kugelherren, der Gemeinschaft der „Brüder vom gemeinsamen Leben“. Im Innern kann man einiges zum Kloster und der Kirche auf Schautafeln erfahren, jedoch sollte man eine Taschenlampe parat haben. Interessant fand ich, dass man schon damals über Pfusch am Bau klagen konnte. Da die Kirche am Hang liegt, hatte man auf einer Seite großzügig auf Fenster verzichtet. Dies erwies sich schnell als Fehler, denn die Wand ist bis heute nicht trocken geworden und neigte schnell zur Schimmelbildung.
Der Weg aus der Oberstadt führte mich dann noch and er Alten Universität vorbei. In diesem imposanten Gebäude befindet sich heute die Theologische Fakultät und die Universitätskirche. Unterhalb der Alten Universität betritt man wieder die moderne und hektische Welt in Form einer grauenhaften Kreuzung. Ich habe geschlagene 9 Minuten benötigt um gegenüberliegende Bankfiliale zu erreichen. Mal abgesehen davon, dass man einen Bogen schlagen muss, kommt man immer nur über die halbe Straße. Die Ampelschaltung hier ist arg nervig. Oder ist das Absicht? Dadurch hat man nämlich Zeit sich die Ampelmännchen genauer anzusehen. Es sind immer Pärchen. Anlässlich des CSD 2019 wurde die Ampel neu gestaltet. Eine Frau und ein Mann mit Schmetterlingen im Bauch, zwei verliebte Frauen mit Herzen, ein männliches Paar Arm in Arm. Ein Zeichen der Liebe.

Hat man diese Kreuzung endlich überquert, bin ich noch einem Tipp der Mitarbeiterin der Touristeninformation gefolgt. Hier befinden sich nämlich ebenfalls sehr alte Gebäude. Hauptsächlich Wohnhäuser aber auch ein historisches Hospital (Weidenhäuser Str. 13).
Als Weg zurück zum Bahnhof habe ich den Fussweg an der Lahn gewählt. Man muss etwas auf Radfahrer achtgeben, aber es läuft sich wesentlich angenehmer als an der Straße. Hier merkt man nochmal sehr deutlich, dass man sich in einer Universitätsstadt befindet. Auf der Lahn fuhren viele jungen Menschen mit dem Tretboot und am Ufer lagen und saßen Menschen und lasen, trafen sich mit Freunden oder genossen einfach das sommerliche Wetter.

Am Bahnhof passierte dann das Unvermeidliche. Der Zug hatte schon mal gute 25 Minuten Verspätung. Irgendwann kam er und war rappelvoll. Bei der Einfahrt in den Frankfurter Hauptbahnhof ertönte dann folgende Durchsage: „Liebe Fahrgäste, dieser Zug endet hier. Bitte verlassen Sie zügig den Zug, der muss jetzt direkt in die Werkstatt.“





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Stadtrundgang in Idstein
Erstmals erschienen Juni 2020/ überarbeitet im Dezember 2025
In Memoriam Andreas Bode
Manchmal denkt man, dass man einen Ort recht gut kennt und dann stellt man fest, dass es doch noch einiges zu entdecken gibt. So ging es mir in Idstein. Seit fast 10 Jahren wohne ich nun im Nachbarort und mache einen großen Teil meiner Einkäufe in Idstein. Nun ist es eine bewiesene Tatsache, dass man Orte, an denen man wohnt eher weniger genau besucht, als fremde Städte. Warum nicht mal die Gegend wie ein Tourist erkunden? Ich habe mir in der Tourist-Information einen Prospekt mit einem Stadtrundgang besorgt und bin diesen in Begleitung meines Freundes Andreas abgelaufen. Als begeisterter Fotograf, konnte er mir einige Blickwinkel und Aussichtsplätze aufzeigen, die mir ohne ihn entgangen wären und die ich mittlerweile auch meinen Besuchern gerne zeige.
Innenstadt mit viel Flair
Los ging es an der Touristeninformation am König-Adolf-Platz. Schon das Killingerhaus, in dem die Information und das Heimatmuseum ansässig sind, ist ein erster Höhepunkt. Der Stadtrundgang führte uns einmal durch und um die Fußgängerzone. Schiefes Haus, Altes Amtsgericht, Hexenturm, Schlossgarten, Hoerhof, Löherplatz mit Stadtmauer (ja, die kann man da wirklich noch entdecken. Zumindest deren Verlauf), Druckerei Grandpierre. Der Prospekt gibt zu jeder Sehenswürdigkeit eine kurze Info und anhand des Stadtplans findet man den Weg sehr gut auch ohne Ortskenntnisse. Unterwegs geben verschiedene Infotafeln (z.B. im Schlossgarten) ein paar Informationen, aber diese werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Da besteht Verbesserungsbedarf.

Tafel am Haus der Idsteiner Zeitung
Die Sehenswürdigkeiten sind nummeriert, aber eine genaue Route ist nicht vorgegeben und man tut gut daran, auch mal in die Seitenstraßen zu schauen. Und der Stadtplan verrät auch, dass es einige Fußwege gibt, die man bisher gar nicht wahrgenommen hat. So führt ein sehr schmaler Pfad von der Obergasse zur Felix-Lahnstein-Straße, den ich aufgrund seiner Breite (oder besser Enge) bisher nicht als solchen wahrgenommen hatte. Und ohne Andreas hätte ich ihn auch an diesem Tag nicht entdeckt. Nicht nur seine Enge ist eindrucksvoll. Es lohnt auch ein Blick nach oben. Die Bewohner haben dort so einige Kuriositäten an ihren Häusern.

Diese Enge Gasse kann man leicht übersehen
Zum Schluss zeigte mir Andreas noch sein persönliches Highlight. Zwischen Weiherwiese und Kreuzgasse gibt es einen Fußweg, der durch einen herrlichen begrünten Hof führt. Eine Augenweide, von der man sich schwer losreißen kann.
Nützliche Infos
Für den Rundgang benötigt man etwa zwei Stunden. Zwischendurch (oder im Anschluss) laden die zahlreichen gastronomischen Betriebe zum gemütlichen Verweilen ein. Die Tour ist ideal zum Kennenlernen und um auswärtigem Besuch die Schönheit der Stadt zu zeigen. Der Prospekt gibt kurze Informationen; wer allerdings mehr wissen möchte, dem sei eine geführte Tour ans Herz gelegt. Informationen dazu gibt es bei der Tourist-Information Idstein.

Der Blick nach oben beschert so manche kleine Überraschung



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Wie es anfing
Im Herbst 2019 ergab sich für mich die Möglichkeit einmal im Monat im NIEDERNHAUSENER ANZEIGER einen kleinen kulturellen Ausflugstipp zu veröffentlichen. Dabei ging es vorrangig um Ausflüge, die man von Niedernhausen aus an einem Tag gut erreichen konnte. Und mein persönlicher Anspruch war es, dass auch immer ein gewisser kultureller Hintergrund bestand.
Ich machte mich also auf dem Weg und plötzlich wurde jedes braune Hinweisschild an der Autobahn zu einem möglichen Beitragsziel. Auch aus Büchern und Werbeanzeigen holte ich mir Inspirationen. Die meiste Zeit lief ich alleine los und begann Ecken zu entdecken, an denen ich bereits achtlos vorüber gegangen war. Auch Freunde und Bekannte machten mich auf schönes und kurioses aufmerksam. Da nicht immer alles einen ganzen Ausflug wert war, erstellte ich auch eine Facebook-Seite, auf der ich die kleinen Kuriositäten veröffentlichte (Kennen Sie das „Dönerdenkmal“ in Ober-Mörlen?)
Corona-Pause
Während Corona wurden es erst nur noch Spaziergänge, doch dann musste ich die Reihe leider vorläufig einstellen. Andere Dinge hatten Vorrang und ich musste mich erstmal neu sortieren. Nach und nach verlagerte ich mich mit meinen öffentlichen Aktivitäten zu Instagram, wo ich auch den Hashtag „kultourmitbianca“ immer wieder verwendete.
2025 fing ich dann wieder an regelmäßige Ausflüge zu machen und darüber zu schreiben. Nur veröffentlicht habe ich sie bisher nicht. Das hole ich jetzt hier auf der neugestalteten Webseite mit neuem Blog nach. Einige Artikel, die bereits im NIEDERNHAUSENER ANZEIGER erschienen sind, wurden nochmals überarbeitet und aktualisiert und werden hier auch nochmals veröffentlich. Regelmäßig kommen aber vor allem neue Ausflüge dazu.
NEubeginn 2026
Den Anfang macht aber ein alter, überarbeiteter Artikel. Ein guter Ideengeber war Andreas Bode. Begnadeter Hobbyfotograf, leidenschaftlicher Hobbymusiker und intelligenter Begleiter. Leider ist er im Sommer 2025 verstorben. Er hat mich bei meinem Stadtrundgang durch Idstein begleitet und auf viele kleine Dinge und unscheinbare Wege aufmerksam gemacht. Er fehlt…..

