Flughafen Frankfurt – Die Stadt am Rande der Stadt

Starts und Landungen am FRAPORT

Besucht am 29.01.2026 und 27.03.2026

Am 22. April 2026 wurde das neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen eröffnet. Nach elf Jahren Bauzeit haben die Frankfurter das geschafft, was die Berliner verpatzt haben: Sie haben ein neues, betriebsbereites Terminal ohne große Verzögerungen und budgetgerecht fertiggestellt. Als Berlinerin wollte ich mir das genauer ansehen und habe mich im November 2025 auf der Webseite registriert um als Statistin in der Testphase dabei zu sein. Insgesamt hatten sich über 100.000 Menschen aus ganz Deutschland auf die 8.000 Stellen beworben – und ich durfte dabei sein, direkt am zweiten Termin Ende Januar.

Teststatist am Terminal 3

Gemeinsam mit etwa 300 anderen Testpassagieren durfte ich das neue Terminal schon einmal von innen sehen und ausprobieren. Nach einer kurzen Einweisung und der Zuweisung einer Testidentität bekamen wir Gepäckstücke in die Hand und es ging los: Check-in, Passkontrolle (der einzige Teil mit echter eigener Identität und Originalpass, da die Polizei ihre Abläufe und Technik ebenso testen musste), sehr lange Wege und Boarding. Alles wurde originalgetreu durchlaufen. Der wesentliche Unterschied war jedoch, dass an diesem Tag alle außerordentlich gut gelaunt und freundlich waren. Natürlich klappte nicht alles – wie auch? – aber es regte sich niemand auf. Es lief ja niemand Gefahr, einen echten Flug zu verpassen; wir waren schließlich hier, um die Abläufe gemeinsam einzuspielen.

Hier und da stockte es etwas und wir liefen streckenweise noch über eine ziemliche Baustelle. Die Transportbänder funktionierten noch nicht, die Sicherheitschecks waren teilweise noch in Folie gehüllt und überall wuselten Handwerker und Ingenieure herum, die Abnahmen organisierten. Trotzdem behielten alle die Ruhe, keiner wurde laut und die Stimmung war durchweg positiv. Wenn doch jeder Urlaub so am Flughafen beginnen würde!

Mein „Flug“ sollte mich nach Doha führen, weshalb ich zum Flugsteig J musste – dem längsten von allen. Hier findet zukünftig das Boarding für Flüge außerhalb des Schengenraums statt. Erstmals sollen die Flugsteige I und J als 5-Sterne-Flughafen ausgezeichnet werden. Diesen Luxus merkt man: große Panoramafenster, edle Ausstattung, sogar einen Indoorspielplatz gibt es. Ich hoffe, dass ich hier zukünftig einmal tatsächlich abfliegen kann. Der dritte Arm (H) am Terminal 3 ist übrigens wesentlich schlichter gehalten und verzichtet auf große Fenster. Hier werden zukünftig die Billigflieger boarden.

Am Ende gab es für jeden ein kleines Geschenk. Nachdem wir schon morgens einen Beutel mit dem T3-Logo für unser Lunchpaket erhalten hatten, gab es nun noch eine Sicherheitsweste vom Flughafen. Danach traten wir die Heimreise an. Für den Einsatz gab es eine kleine Aufwandsentschädigung, deren Auszahlung allerdings nicht ganz so reibungslos klappte wie der Testlauf selbst. Insgesamt war es auf jeden Fall ein sehr interessanter Tag und ein einmaliges Erlebnis.

Das veranlasste mich dazu, ein paar Wochen später eine Tour über den Flughafen zu buchen. Ich entschied mich für die XXL-Tour und fand mich pünktlich am Terminal 1, Flugsteig C ein. Die Tour sollte um 13:00 Uhr beginnen; man sollte jedoch spätestens eine halbe Stunde vorher vor Ort sein, da es auch hier einen Sicherheitscheck gibt. Ab und zu verirrt sich wohl versehentlich ein regulärer Fluggast dazwischen. Unsere Guide Anna begrüßte uns sehr herzlich am Eingang zum Tour-Bereich und führte uns nach dem Check zum Bus, wo uns unser Fahrer Olli bereits erwartete. Aufgrund eines kleinen Zwischenfalls begann unsere Tour etwa eine Viertelstunde verspätet, diese Zeit wurde aber am Ende einfach drangehängt.

Die Teilnehmer waren vorwiegend männlich, nur wenige wurden von ihren Partnerinnen begleitet. Oft waren es auch Eltern oder Großeltern mit ihren Söhnen bzw. Enkeln. Dabei traten zwei etwa 13-jährige Jungen besonders in Erscheinung: Sie glänzten mit viel Wissen und Neugierde. Unsere Guide Anna beantwortete alles mit ungeheurer Geduld und einem phänomenalen Fachwissen. Selten habe ich so eine souveräne und unterhaltsame Führung erlebt. Zu jedem Flieger hatte sie Daten, Flugziele und teilweise die Historie parat. Dass sie zwischendurch die Flugdaten auf einem kleinen Gerät checkte, fiel überhaupt nicht auf, da es völlig flüssig in die Erzählung einfloss. Dafür ein kleiner symbolischer Applaus!

Ein Doktor und das Fliegen

Die Fahrt über das Vorfeld führte uns vorbei an Flugzeugen, Serviceautos, den drei Feuerwachen, der Startbahn West und der Cargo-Area. Wir erfuhren, wofür die Streifen der Condor-Maschinen stehen: Gelb für die Sonne, Blau für das Meer und Grün für die Insel Irland. Und dann gibt es noch die eine pinke Maschine: Diese Farbe steht für die Aufmerksamkeit für Brustkrebs. Ein sehr wichtiges Thema, und ich persönlich finde es toll, dass Condor hier ein Statement setzt. Die einzige Maschine mit schwarz-weißer Bemalung haben wir leider nicht gesehen – die Eintracht war wohl gerade unterwegs. Dafür stand an einem Gate eine Condor-Maschine mit Retro-Lackierung. Die Fluggesellschaft geht auf die 1955 gegründete Deutsche Flugdienst GmbH zurück. Diese übernahm 1961 die Condor Luftreederei des Dr. Oetker Konzerns. Wer hätte gedacht, dass es einen Zusammenhang zwischen Ferienfliegern und Backpulver gibt?

Ebenfalls mit Retro-Lackierung sind in diesem Jahr sechs Maschinen der Lufthansa unterwegs. Diese wurde nämlich 1926 gegründet und feiert 2026 somit ihr 100-jähriges Bestehen. Zwei Maschinen standen gerade am Terminal 1: eine mit der traditionellen schwarzen „Stubsnasen“-Lackierung und eine ganz besondere mit den Jahreszahlen und einer großflächigen Kranich-Grafik in Lufthansa-Blau. Letztere stand leider etwas versteckt, weshalb das Foto sie nur teilweise zeigt.

Der Weg führte uns natürlich auch vorbei am Tower. Hier besteht allerdings Verwechslungsgefahr: Was wir Teilnehmer sofort als „den“ Tower ausgemacht hatten, war in Wirklichkeit die Vorfeldkontrolle – quasi ein kleiner Bruder des alles überwachenden Towers. In der Cargo-City lernten wir noch etwas Interessantes: Passagierflugzeuge erhalten Städtenamen, während Frachtmaschinen internationale Begrüßungen als Namen tragen. Darüber macht man sich doch nie Gedanken.

Schließlich ging es zum Wartungsbereich. Hier stehen riesige Hallen, in denen die Flugzeuge gewartet werden. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: In die größte Halle passen bequem drei A380-Maschinen. Davor stehen beeindruckende Wände, die ich irrtümlich für einen Sichtschutz hielt. Weit gefehlt: Die Lamellen dieser Stellwände sind mit Sensoren ausgestattet; sie werden hinter die Maschinen gestellt, um die Triebwerke unter anderem auf Abgase und Lautstärke zu testen.

Zahlen, Daten, Staunen

Ansonsten beeindruckte die Tour vor allem mit Zahlen: 61 Kilometer Unterflur-Betankungspipelines versorgen die Gates unterirdisch mit Kerosin. Ein spezielles Tankfahrzeug verbindet die Tankstationen mit den Flugzeugen und kann pro Schlauch 2.000 Liter Kerosin pro Minute durchleiten. Das „Eau de Kérosène“ ist dabei deutlich zu erschnüffeln. Auf dem Flughafen befindet sich zudem die größte Polizeidienststelle Deutschlands. Die Bundespolizei hat hier ihren Sitz mit etwa 2.500 Beamten. Es gibt drei Feuerwachen mit insgesamt 900 Einsatzkräften. Das Gepäck wird auf 81 km Förderanlage transportiert, und täglich gibt es etwa 700 Flugzeugstarts und ebenso viele Landungen. Insgesamt gibt es etwa 18.000 Fahrzeuge und 91.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Eine Stadt gilt ab etwa 5.000 bis 10.000 Einwohnern als Stadt, eine Großstadt ab 100.000. Uff…

Ganz zum Schluss ging es noch an einer Ecke vorbei, die mich besonders interessierte: Auf der anderen Seite des Zauns stehen ein Rosinenbomber und das Luftbrückendenkmal – das Gegenstück zum Denkmal in Berlin. Dazu werde ich dieses Jahr noch einen eigenen Beitrag schreiben und nochmals zum Flughafen Frankfurt und zur Aussichtsstelle fahren. Am Flughafen Tempelhof war ich bereits vor einiger Zeit; ich werde diese beiden Orte in meinem Artikel miteinander verbinden.

Nach zwei Stunden und etwa 40 Kilometern Fahrt kamen wir wieder am Terminal 1 an. Ich habe kurz überlegt, ob ich noch das Besucherzentrum besuche, aber ehrlicherweise war ich erschlagen von den vielen Informationen. Das nehme ich mir ein anderes Mal vor – vielleicht mag mich dann ja jemand begleiten.


Tipps

Die Touren kann man in verschiedenen Varianten über die Webseite des Flughafens buchen. Hier gibt es auch Informationen zum Besucherzentrum. Die Tickets sind sehr beliebt, eine rechtzeitige Buchung ist daher empfehlenswert.

Auf fraport.com erfährt man viel zur Geschichte des Flughafens und einiges mehr. Und falls jemand an einem Job am Frankfurter Flughafen interessiert ist, wird er hier auch fündig.

Die Anreise ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, wobei man Puffer für Störungen einplanen sollte. Alternativ stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Mit der Skyline-Bahn kommt man schnell von einem Terminal zum nächsten – dieses Vergnügen gönne ich mir nach der Eröffnung von T3 auch noch einmal.

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